
Im Rahmen des Wahlseminars Gebäudelehre – nachhaltiger Schulbau im Klimawandel
von Emil Owsanecki und Katharina Kulovits
betreut von: Univ.Ass.in DI Carla Schwaderer MA E253 Institut für Architektur und Entwerfen
WS 2024/25
Die vorliegende Seminararbeit untersucht das Potenzial bestehender Gebäude für eine nachhaltige schulische Umnutzung im Kontext steigender ökologischer Anforderungen und veränderter pädagogischer Konzepte. Im Zentrum steht die Frage, welche räumlichen, strukturellen und kontextuellen Eigenschaften Bestandsgebäude aufweisen müssen, um den Anforderungen eines zeitgemäßen Schulbaus gerecht zu werden.
Auf Grundlage einer qualitativen Methodik, bestehend aus Literaturrecherche und Expert*inneninterviews, wird ein analytischer Rahmen entwickelt, der als Bewertungsinstrument für die Eignung von Bestandsgebäuden dient. Dieser Rahmen wird exemplarisch auf die Fallstudie der Modellschule Gersthof in Wien angewendet, einem umgenutzten ehemaligen orthopädischen Spital.
Die Untersuchung zeigt, dass insbesondere flexible und wandlungsfähige Grundrissstrukturen, ausreichende Raumhöhen, gute Belichtungsverhältnisse sowie eine anpassungsfähige Tragstruktur zentrale Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umnutzung darstellen. Abweichungen von normierten Idealmaßen der Lernräume erweisen sich dabei nicht zwingend als Defizit, sondern können neue pädagogische Qualitäten ermöglichen. Gleichzeitig markieren brandschutzrechtliche Anforderungen, statische Rahmenbedingungen sowie infrastrukturelle Vorgaben klare Grenzen der Transformierbarkeit.
Im Hinblick auf Nachhaltigkeit wird deutlich, dass der Erhalt der Primärkonstruktion einen wesentlichen ökologischen Vorteil darstellt, da bereits gebundene graue Energie bewahrt wird. Die Fallstudie zeigt, dass Nachhaltigkeit im Bestand vor allem durch den Erhalt der Primärkonstruktion, den reduzierten Einsatz technischer Systeme sowie die Weiterverwendung vorhandener Strukturen erreicht wird.
„Adaptive Reuse“ im Schulbau erweist sich somit als relevantes strategisches Instrument zur Bewältigung ökologischer und gesellschaftlicher Herausforderungen. Entscheidend ist jedoch eine Planungshaltung, die mit den Qualitäten und Grenzen des Bestands arbeitet und Transformationsfähigkeit über idealtypische Neubaukonzepte stellt.
1 Einleitung
2 Hauptteil
2.1 Theoretischer Hintergrund
2.1.1 Adaptive Reuse als Konzept
2.1.2 Nachhaltigkeit im Kontext von Bestandsumnutzung
2.1.3 Anforderungen an zeitgemäße Schulgebäude
2.2 Analytischer Rahmen
2.2.1 Räumliche Kriterien
2.2.2 Strukturelle Kriterien
2.2.3 Kontextuell-programmatische Kriterien
2.3 Fallstudie: Projekt Gersthof
2.3.1 Ausgangslage und Projektkontext
2.3.2 Räumliche und strukturelle Analyse
2.3.3 Nachhaltigkeitsanalyse
2.3.4 Kontextuelle Analyse
2.3.5 Zentrale Erkenntnisse des Projekts
3 Conclusio
4 Literaturverzeichnis
5 Abbildungsverzeichnis
6 Anhang
Im Rahmen dieser Seminararbeit werden die räumlichen, strukturellen und kontextuellen Ebenen der Wiederverwendung von Bestandsgebäuden für schulische Nutzungen analysiert. Ergänzend dazu wird der theoretische Hintergrund zu „Adaptive Reuse“ und dem Konzept der grauen Energie dargestellt, um die Relevanz der Bestandsumnutzung im Kontext des nachhaltigen Schulbaus einzuordnen. Grundsätzlich möchten wir anmerken, dass der direkte Vergleich zwischen einem Gymnasium (Modellschule Gersthof) und einer allgemeinen Pflichtschule mit Sonder- und Inklusivpädagogik aufgrund der unterschiedlichen Nutzer*innenstruktur inklusive deren Bedürfnisse und der damit verbundenen technischen und funktionalen Anforderungen nur eingeschränkt möglich ist.
Der Schulbau steht gegenwärtig vor einem grundlegenden Wandel. In urbanen Ballungsräumen, wie der Stadt Wien, steigt der Bedarf an Schulraum kontinuierlich an. Ganztägige Schulformen, die Individualisierung des Lernens sowie kooperative Unterrichtsmodelle erfordern mehr und vielfältiger nutzbare Flächen als klassische, stark standardisierte Schulbauten. Gleichzeitig geraten konventionelle Neubauprogramme zunehmend an ihre Grenzen, da in dicht bebauten Stadtgebieten geeignete Grundstücke fehlen und steigende Baukosten die zeitnahe Bereitstellung von Schulraum erschweren.
Hinzu kommt die ökologische Problematik des Neubaus: Der Gebäudesektor verursacht einen erheblichen Anteil der globalen CO₂-Emissionen, insbesondere durch die Herstellung neuer Baumaterialien. Bestandsgebäude stellen in diesem Zusammenhang eine zentrale Ressource dar, da sie große Mengen sogenannter grauer Energie speichern. Dennoch werden ökologisch sinnvolle Bestandsstrukturen im Schulbau häufig nicht genutzt, da normative Vorgaben, wirtschaftliche Unsicherheiten und baurechtliche Anforderungen Umnutzungen erschweren.
Vereinzelte Beispiele, wie die Modellschule Gersthof in Wien, die zuvor als orthopädisches Spital genutzt wurde, zeigen jedoch das Potenzial bestehender Gebäude für schulische Nutzungen. Die geringe Verbreitung solcher Projekte ist vor allem auf technische, finanzielle und behördliche Hürden zurückzuführen, insbesondere auf baurechtliche Anforderungen, wie den Brandschutz sowie den Mangel an Flächen für notwendige Infrastrukturen.
Aus dieser Problemstellung ergibt sich die zentrale Forschungsfrage dieser Arbeit: Welche räumlichen, strukturellen und kontextuellen Eigenschaften machen Bestandsgebäude für eine nachhaltige schulische Nutzung geeignet? Ziel der Arbeit ist es, das Potenzial bestehender Gebäude für eine nachhaltige schulische Umnutzung systematisch zu untersuchen und aufzuzeigen, unter welchen Voraussetzungen sie einen Beitrag zur Bewältigung des steigenden Schulraumbedarfs leisten können, ohne zusätzliche Ressourcen zu verbrauchen oder weitere Flächen zu versiegeln.
Die Arbeit basiert auf einer qualitativen Forschungsmethodik. Neben einer Literaturrecherche zu „Adaptive Reuse“, nachhaltigem Schulbau und Bauen im Bestand werden Expert*inneninterviews herangezogen. Auf dieser Basis wird ein analytischer Rahmen entwickelt, der auf die Fallstudie der Modellschule Gersthof angewendet wird.
2.1 Theoretischer Hintergrund
Die folgenden Ausführungen stellen die theoretische Grundlage der Arbeit dar. Dabei werden insbesondere Adaptive Reuse und das Konzept der grauen Energie als zentrale Referenzpunkte für die weitere Untersuchung erläutert.
2.1.1 Adaptive Reuse als Konzept
Der Begriff „Adaptive Reuse“ beschreibt die Umnutzung alternder oder aufgegebener Gebäude für neue Funktionen und ist dem übergeordneten Feld des Bauens im Bestand zuzuordnen. Es handelt sich dabei um den Prozess der Umnutzung bestehender Gebäude oder Strukturen für andere Zwecke als ihre ursprüngliche Funktion, wobei ihre historischen oder architektonischen Elemente erhalten bleiben. Adaptive Reuse kombiniert Elemente der Denkmalpflege mit zeitgenössischen Anforderungen und gewährleistet so die anhaltende Relevanz der Gebäude in der Stadtlandschaft. Als Ziel gilt es, ein Gleichgewicht zwischen Kulturerhalt und den zeitgenössischen und städtischen Bedürfnissen herzustellen und somit zu einer nachhaltigen Stadterneuerung beizutragen. (Laroche, Sapinski, & Savoie, 2025, S. 106)
2.1.1.1 Bauen im Bestand
„Für den Begriff Bauen im Bestand existiert in der Fachliteratur keine einheitliche Begriffsdefinition, darüber hinaus besteht auch keine rechtliche Normierung des Begriffs“ (vgl. Nentwig, 2017, S. 15). Bauen im Bestand ist ein weit gefasster Begriff, der als Sammelbezeichnung für sämtliche Maßnahmen dient, die an bereits bestehenden Bauwerken vorgenommen werden. (Nentwig, 2017, S. 15) Er reicht von kleinen Bauschadenserhebungen und Instandhaltungen, über Sanierungen und Modernisierungen, bis hin zu komplexen Eingriffen, wie Umnutzung (Adaptive Reuse), Addition und Transformation. (Schittich, 2003, S. 9) Der Begriff Bestand beschränkt sich in dem Kontext nicht nur auf Altbauten, auch Neubauten können als Bestandsbau deklariert werden. (Nentwig, 2017, S. 15)
Der Begriff Bauen im Bestand bezieht sich nicht ausschließlich auf historisch oder denkmalpflegerisch relevante Bauwerke, sondern umfasst auch funktional geprägte Gebäudetypologien wie Industrie- und Wohnbauten. Diese stellen einen wesentlichen Bestandteil des heutigen Baubestands dar und sind daher zentral für aktuelle Sanierungs- und Umnutzungsstrategien. Vor allem geht es um funktionale, ästhetische und ökologische Sanierung und die vielfältige Neuorientierung, die mit dieser Veränderung kommen kann. (Schittich, 2003, S. 9)
Bauen im Bestand erhält eine immer größer werdende Relevanz in der heutigen Architektur und Stadtentwicklung. In Österreich entfallen 40 % der gesamten Bauleistungen auf Renovierung, Sanierung und Umbauten bestehender Gebäude. Im Wohnungsbereich liegt der Anteil bei etwa 38 % der bewilligten Wohneinheiten. Diese Zahlen dürften in den kommenden Jahrzehnten weiter steigen. (Eser, 2026, Fingerlos, 2025) In Deutschland fließen bereits über zwei Drittel der gesamten Bauinvestitionen in diesen Bereich. In der Wohnungswirtschaft liegt der Anteil sogar über 80%. (Petzold & Rechenberg, 2021, S. 508)
„Die Auseinandersetzung mit bestehenden Gebäuden ist längst nicht mehr nur eine Frage der Stadtbild- oder Denkmalerhaltung, sondern ökonomische wie ökologische Notwendigkeit.“ (vgl. Schittich, 2003, S. 9) Im Zuge des fortschreitenden Klimawandels gewinnen Themen wie der steigende Rohstoffverbrauch und die zunehmende Schadstoffbelastung kontinuierlich an Bedeutung. In Kombination mit dem Wachstum von Metropolregionen im Globalen Westen bei gleichzeitiger Schrumpfung peripherer Räume (OECD/European Commission, 2020) gewinnt die Nutzung, Umnutzung und Reparatur des Bestands zunehmend an Bedeutung, um zusätzliche Flächeninanspruchnahme und Ressourcenverbrauch zu reduzieren. (Schittich, 2003, S. 9)
2.1.1.2 Ökologische, Soziale und Ökonomische Aspekte
Durch Adaptive Reuse stellt die Umnutzung bestehender Gebäude eine nachhaltige Alternative zu Abriss und Neubau dar. Sie bietet ökologische, soziale, kulturelle sowie wirtschaftliche Vorteile, da vorhandene Bausubstanz weitergenutzt und Abfallaufkommen, Ressourcenverbrauch, und Flächenversiegelung deutlich reduziert werden. (Laroche, Sapinski, & Savoie, 2025) Insbesondere bei energieintensiven Baustoffen wie Beton und Stahl, zeigt sich ein deutliches Einsparpotential. Rund ein Viertel der CO₂-Emissionen der Baubranche, entsteht bereits in der Herstellungsphase dieser Materialien und könnte durch den Erhalt und die Weiterverwendung bestehender Strukturen vermieden werden. Der Gebäude- und Bausektor ist weltweit für rund 39 % der energiebedingten CO₂-Emissionen sowie für etwa 32 % des globalen Energieverbrauchs verantwortlich; vor diesem Hintergrund gewinnt eine nachhaltige Nutzung und Umnutzung des Bestands zunehmend an Bedeutung. (UNEP & IEA, 2017)
Die Umnutzung von Bestandsgebäuden hat ebenfalls einen positiven Effekt auf kulturelle und soziale Aspekte. Durch die Verlängerung des Lebenszyklus vorhandener Strukturen wird nicht nur deren materieller Wert erhalten, sondern entstehen auch neue kulturelle und soziale Potenziale. Dazu zählen generationsübergreifende und interkulturelle Nutzungsmöglichkeiten, die Aufwertung vernachlässigter Quartiere mit daraus resultierenden ökonomischen Impulsen sowie die Integration traditionellen Wissens und kulturellen Erbes in zeitgemäße Nutzungskonzepte. Auf diese Weise wird auch der Fortbestand des kollektiven Gedächtnisses einer Gemeinschaft gesichert. (Laroche, Sapinski, & Savoie, 2025, S. 106-107)
2.1.1.3 Herausforderungen und Barrieren
Die Umnutzung historischer Bausubstanz stellt einen komplexen Prozess dar, welcher kulturelle, technische, regulatorische und ökonomische Hürden mit sich bringt. Auf kultureller Ebene besteht häufig die Gefahr von Gentrifizierungsprozessen sowie von Widerständen lokaler Akteur*innen, die vielfach aus der Sorge um den Verlust von Authentizität und steigenden Mietpreisen entstehen. Technisch betrachtet steht die Integration moderner Standards, wie Energieeffizienz und Barrierefreiheit, oftmals im Konflikt mit dem Erhalt der historischen Substanz, wobei gerade kleineren Gemeinden häufig die spezialisierte Expertise für solch anspruchsvolle Eingriffe fehlt. Neben regulatorischen Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von aktuellen Baunormen und Denkmalschutzauflagen werden die Projekte schließlich durch ökonomische Faktoren, insbesondere hohe Initialkosten und fehlende Förderungsmechanismen, in ihrer Realisierbarkeit beeinträchtigt. (Laroche, Sapinski, & Savoie, 2025, S. 107)
2.1.1.4 Relevanz im Schulbau
Die Relevanz von Adaptive Reuse im zeitgenössischen Bildungsbau zeigt sich als Ausdruck eines paradigmatischen Wandels. Dabei geht es nicht mehr allein um die Nutzung bestehender Bausubstanz, sondern um die Frage, wie der Bestand als zentrales Element für ökologische, pädagogische und gesellschaftliche Erneuerungsprozesse wirken kann.
Dabei lässt sich die Relevanz in eine ökologische, pädagogische, sozialkulturelle Dimension, sowie die Dimension der institutionellen Realität unterteilen. Vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen ist die ökologische Dimension von besonderer Relevanz. Bestandsgebäude werden als Speicher „grauer Energie“ und als „urbane Minen“ betrachtet. Der Abriss und Neubau bzw. zusätzliche Flächenversiegelungen sind angesichts der CO2-Bilanzierung zunehmend schwer zu rechtfertigen. (Greiner, 2025)
Die zunehmende Nachfrage nach Schulraum, resultiert sowohl aus dem demografischen Wachstum in Ballungsräumen (Ollinger & Geßner, 2025), als auch aus veränderten pädagogischen Anforderungen (Ganztagsschule, individualisierter Unterricht). Neue Ansätze werden erforderlich, um in dicht besiedelten innerstädtischen Lagen zusätzlichen Schulraum zu realisieren, anstatt die Zersiedelung durch Neubauten in peripheren Gebieten zu verstärken. (Lorbek, 2020, S. 9) Die Nutzung vorhandener Strukturen kann theoretisch schneller zusätzlichen Raum bereitstellen als langwierige Neubauprozesse, auch wenn die Planungsphase von Umnutzungen komplex ist. (Rabl & Szeywerth, 2025)
2.1.2 Nachhaltigkeit im Kontext von Bestandsumnutzung
2.1.2.1 Graue Energie und Ressourcenschonung
Das Konzept der grauen Energie spielt im Hinblick auf die Entscheidung zwischen Abriss bzw. Neubau und der Sanierung bzw. Umnutzung von Bestandsgebäuden eine entscheidende Rolle. Unter Grauer Energie versteht man die gesamte Energiemenge die für die Herstellung, den Transport, die Lagerung, den Verkauf und die Entsorgung der Baumaterialien eines Gebäudes aufgewendet wurden. Im Gegensatz zur Betriebsenergie, die während der Nutzung verbraucht wird, ist die graue Energie bereits im Gebäude „gebunden“. Im deutschen Gebäudebestand entspricht die Menge an gebundener grauer Energie, etwa 20 Jahren des laufenden Betriebs dieses Bestands. Betrachtet man die graue Energie anhand des Lebenszyklus, so kann diese bei zunehmender betrieblicher Energieeffizient der Gebäude einen noch größeren Umfang einnehmen. Den größten Anteil an „gebundener“ Energie lässt sich in der Primärkonstruktion des Gebäudes finden. Die Tragstruktur besteht überwiegend aus Beton und Stahl, die für mehr als die Hälfte der gesamten, in der Bauwirtschaft für die Produktion von Bauprodukten aufgewendeten Energie verantwortlich sind. (Zeumer, John, & Hartwig, 2009, S. 54) Die Herstellung von Bauprodukten ist insgesamt für rund 11 % der weltweiten energiebedingten Treibhausgasemissionen verantwortlich. (Röck , et al., 2019, S. 3)

Abb. 1 Anteile der globalen energiebedingten CO2-Emissionen nach Sektoren (Community Energy Association, 2022, S. 3)
Durch die Nutzung von Bestandsgebäuden lässt sich nicht nur der Ausstoß gebundener Energie vermeiden, sondern auch das globale Müllproblem bekämpfen. Durch die Bauwirtschaft entstehen jährlich etwa 100 Milliarden Tonnen Bau- und Abbruchabfälle, wovon 35% auf Deponien landen. (Programme, 2022, S. 72) Hinzuzufügen ist, dass all diese abgebrochenen Materialien abtransportiert, entsorgt oder im schlimmsten Fall gelagert werden, was zu einem zusätzlichen Mehraufwand von Energie führt. (Zeumer, John, & Hartwig, 2009, S. 54)
2.1.2.2 Lebenszyklusbetrachtung
Die Lebenszyklusbetrachtung stellt eine umfassende Methode zur Bewertung der ökologischen und ökonomischen Auswirkungen von Gebäuden dar, in welcher der gesamte Zyklus, von der Rohstoffgewinnung bis zum Rückbau betrachtet wird. Sie basiert auf internationalen Normen, wie der ISO 14040/14044 und der EN 15978 und teilt den Lebenszyklus eines Gebäudes in vier Phasen ein. Die Herstellungsphase (A1–A3), die Errichtungsphase (A4–A5), die Nutzungs- und Instandhaltungsphase (B1–B7) und die „End-of-Life-Phase“ (C1–C4). Bei der Lebenszyklusanalyse kurz LCA werden Umwelteinwirkungen wie das Treibhauspotenzial (GWP) berechnet, sowie eine Lebenszykluskostenrechnung (LCC) über die gesamte Zeitspanne durchgeführt. Diese Herangehensweise ist essenziell für die wissenschaftliche Abwägung zwischen Ersatzneubau und Bestandsumnutzung. (Röck , et al., 2019, S. 2-4)
Eine wichtige Erkenntnis der Lebenszyklusanalyse ist die signifikante Bedeutung der Herstellungsphase (A1–A3). Bei Neubauten entsteht hier ein massiver „Carbon Spike“ welcher einen sofortigen Ausstoß an Treibhausgasen durch Materialproduktion und Transport darstellt. Im Gegensatz dazu dienen Bestandsgebäude als Speicher bereits aufgewendeter „Grauer Energie“. (Röck , et al., 2019, S. 9-10) Diese Energie, welche größtenteils in der Primärkonstruktion gebunden ist, entspricht oft den Emissionen von rund 20 Jahren des laufenden Gebäudebetriebs.(Zeumer, John, & Hartwig, 2009, S. 1) Folglich stellt Adaptive Reuse eine effektive Strategie zur Vermeidung von „Upfront Carbon“ dar, während sich bei hocheffizienten Neubauten das ökologische Gewicht zunehmend von der Betriebs- hin zur Herstellungsenergie verschiebt. (Röck , et al., 2019, S. 9)
Darüber hinaus steigern Aspekte, wie die Ressourcenschonung und Zirkularität, die Relevanz der LCA noch mehr. Studien belegen, dass Umnutzungen den Bedarf an neuen Materialien sowie den damit verbundenen Energie- und Transportaufwand drastisch senken. Digitale Werkzeuge, wie Building Information Modeling (BIM) und Materialpässe unterstützen die Kreislaufwirtschaft dabei, Bauteile für eine Weiternutzung zu identifizieren. (Szopinska-Mularz, et al., 2025, S. 20) Ein weiterer Aspekt, welcher durch die LCA ermöglichet wird, ist die Bestimmung der Investitionseffektivität. Sie ermittelt, ob eine energetische Sanierung (Pfäffli, 2020) ökologisch effektiv ist, indem berechnet wird, wie schnell sich die für die Sanierung aufgewendeten Emissionen durch Einsparungen im laufenden Betrieb amortisieren. (Röck , et al., 2019, S. 9-11)

Abb. 2 Darstellung der Lebenszyklusbetrachtung eines Gebäudes (Pfäffli, 2020, S. 5)
Ergänzt wird die Lebenszyklusbetrachtung durch die Lebenszykluskostenrechnung (LCC). Während die LCA die ökologischen Auswirkungen umfasst, bewertet die LCC die ökonomische Dimension über die gesamte Zeitspanne. Der Fokus wird hier nicht rein auf die Erstellungskosten gelegt, sondern betrachtet alle Kosten über die gesamte Lebensdauer des Gebäudes. Der ausschlaggebende Faktor hierbei ist das Verhältnis der Lebensdauer bzw. Austauschzyklen einzelner Produkte. Somit schneiden Materialien mit einem hohen Primärenergieinhalt, aber langer Lebensdauer (z. B. Naturstein), in der LCC oftmals besser ab als anfänglich kostengünstigere Materialien, die häufig ersetzt werden müssen. (Zeumer, John, & Hartwig, 2009, S. 55) Zusätzlich zeigt die LCC die wirtschaftlichen Vorteile des Bestands auf, welcher durch die Nutzung vorhandener Infrastruktur und Konstruktion die Bauzeit im Vergleich zu einem zeitaufwendigen Abriss und Neubau drastisch verkürzen kann. Das senkt Kosten, verringert gebundenes Kapital und reduziert Projektrisiken, was das Umnutzen von Bestandsgebäuden ökonomisch noch attraktiver macht. (Szopinska-Mularz, et al., 2025, S. 3)
Es existieren bereits Bewertungssysteme wie „DGNB“ oder „LEED“ welche LCA- und LCC-Daten nutzen, um komplexe Szenarien vergleichbar zu machen. Sie integrieren diese Ergebnisse, um zwischen Denkmalschutz, wirtschaftlicher Rentabilität und ökologischen Zielen abzuwägen (Zeumer, John, & Hartwig, 2009, S. 54)
2.1.2.3 Soziale Nachhaltigkeit und Quartierswirkung
Adaptive Reuse beschreibt nicht nur den Prozess der Sanierung, sondern geht weit über diesen Aspekt hinaus. Im Sinne der sozialen Nachhaltigkeit versucht eine solche Transformation eines Bestandsgebäudes das menschliche Wohlbefinden und die Lebensqualität zu steigern. Das Gebäude wird nicht nur als ökologische und ökonomische, sondern auch als soziale Ressource verstanden. So kann es als System für sozialen Zusammenhalt, Identität und lokale Ökonomie wirken.
Durch das Bewahren des kulturellen Erbes und der Authentizität eines Ortes, welche zu einer Stärkung des kollektiven Gedächtnisses und der gemeinschaftlichen Identität führt, kann das Gefühl von Zugehörigkeit und Kontinuität im städtischen Gefüge gefördert werden. Die Revitalisierung vernachlässigter Gebäude wirkt negativer sozialer Entwicklungen entgegen und steigert das Wohlbefinden und Sicherheitsgefühl der Bewohner*innen. Diese Aspekte beschränken sich nicht nur auf kurzzeitige Erfolge, sondern beeinflussen durch die indirekte Vermittlung von Wissen über nachhaltige Entwicklung, Kreislaufwirtschaft und kulturelles Erbe die Gesellschaft nachhaltig. Ein weiterer signifikanter Punkt ist der positive Effekt der Umnutzung auf das Quartier. Diese kann oft als Startpunkt für die Wiederbelebung ganzer Viertel fungieren, lokale Arbeitsplätze schaffen und durch Erhalt des kulturellen Erbes positive Effekte auf Tourismus und lokale Wirtschaft haben. (Szopinska-Mularz, et al., 2025, S. 3-14)
Wichtig ist dabei den Bestand als integrativen Stadtbaustein zu begreifen, welche physische Barrieren abbauen (Öffnung von Schulhöfen als Parks) und fließende Übergänge zum öffentlichen Raum schaffen. Damit diese Entwicklung gelingt, ist die transparente Kommunikation und Kooperation zwischen öffentlichem Sektor, Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft ausschlaggebend. (Peters, 2025, S. 76-79)

Abb. 3: Bewahrung immaterieller Werte durch den Bestand (Bundesstiftung Baukultur, 2022, S. 7)
2.1.3 Anforderungen an zeitgemäße Schulgebäude
Zeitgemäßer Schulbau in Österreich befindet sich in einem fundamentalen Paradigmenwechsel von der traditionellen Gangschule, hin zu offenen, flexiblen Lernlandschaften. Dieser Wandel wird durch veränderte pädagogische Konzepte, die Einführung ganztägiger Schulformen und Anforderungen an die Inklusion vorangetrieben. (Hammerer & Rosenberger, Raum Bildung 4, 2017, S. 11)
2.1.3.1 Pädagogische Anforderungen
Moderne Bildungseinrichtungen werden nicht mehr als reine „Belehrungsorte“ verstanden, sondern als Orte der Selbstaneignung, des sozialen Miteinanders und der Demokratie. Diese neuen Lernwelten setzten Räume der Individualisierung bzw. Differenzierung als auch der Inklusion und Kontinuität voraus. (Bundesministerium für Bildung, 2009) Sie müssen vielfältige Lernsettings unterstützen, welche auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Schüler*inneneingehen und zusätzlich eine gleichberechtigte Teilhabe aller ermöglichen. Die physische Umgebung wird also als aktiver Teil des Lernprozesses verstanden, der soziale Interaktion, Selbsttätigkeit und Kreativität fördern muss. (Hammerer & Rosenberger, Raum Bildung 4, 2017, S. 11)
Die funktionalen Anforderungen an die Raumtypologie werden mit dem Modell der Cluster und der flexiblen Räume gelöst, wobei sich weitestgehend vom monofunktionalen Raum abgewannt wird. Unter einem Cluster versteht man eine räumliche Einheit von zwei bis sechs Bildungsräumen, die um einen gemeinsamen, offenen Arbeits- bzw. Lernbereich, den sogenannten „Marktplatz“ oder die „Lerninsel“, gruppiert sind. Dies ermöglicht einen Raum im Raum zu schaffen, welcher eine gewisse Identifikation mit sich bringt. Um das Lernsetting zu fördern und einen organisatorischen Überblick zu ermöglichen, sind nicht nur Licht, sondern auch Blickbezüge notwendig, so entsteht durch Transparenz eine noch stärkere Verbindung zwischen Klassen und Marktplatz. (Hammerer & Rosenberger, RaumBildung 3, 2015) Weiters ermöglicht dieses System eine pädagogische Aktivierung der Gang- und Erschließungsflächen, so können diese als „Lernstraßen“ oder „Spielzonen“ in Berücksichtigung auf Brandschutzauflagen (z.B. durch Brandschutzeinheiten) genutzt werden. (Hammerer & Rosenberger, Raum Bildung 4, 2017, S. 78)
Schulen sollten Teil eines Netzwerks von Gemeinwesen- und Kultureinrichtungen sein und Synergien mit Sportstätten und Bibliotheken nutzen. So kann die Vernetzung innerhalb eines Quartiers gestärkt werden und beide Seiten positiv beeinflussen. (Hammerer & Rosenberger, Raum Bildung 4, 2017, S. 12)
Gesundheits- und Sicherheitsaspekte spielen bei der Umsetzung eines modernen pädagogischen Konzepts eine ebenso zentrale Rolle. Nutzer*innen stehen dabei in unmittelbarem Zusammenhang mit Materialität, Akustik und weiteren, durch den Raum beeinflussten Wahrnehmungsaspekten. Besonders in offenen Strukturen ist akustische Optimierung entscheidend, um Stress zu vermeiden und konzentriertes Lernen zu ermöglichen. Räume müssen als Anregung zur Bewegung gestaltet werden, sodass kein statischer Innenraum entsteht, sondern ein flexibles Gefüge. Durch flexible Möbel wird der natürliche Bewegungsdrang unterstützt und die Konzentration gefördert. Gefördert wird diese ebenfalls durch Außenräume und Regenerationsorte, welche soziale Interaktion und Erholung ermöglichen. (Bundesministerium für Bildung, 2009)
Um diese Konzepte effizient umsetzen zu können, ist die direkte Einbeziehung derjenigen erforderlich, die in den Bildungsräumen leben und arbeiten. Daher sollte im Vorfeld unter Mitwirkung aller Beteiligten ein räumlich-pädagogisches Konzept entwickelt werden. (Hammerer & Rosenberger, Raum Bildung 4, 2017, S. 12)
Zur Untersuchung der Potenziale und Herausforderungen der Umnutzung von Bestandsgebäuden im Schulbau wurden leitfadengestützte Expert*inneninterviews durchgeführt. Befragt wurden zentrale Akteur*innen des österreichischen Schulbaus, die unmittelbar in Planung, Verwaltung oder Umsetzung von Schulbauprojekten tätig sind. Vertreter*innen der Stadt Wien mit Gerald Ollinger (Stadt Wien, Schulen) und Annegret Geßner (Stadt Wien, Architektur und Stadtgestaltung, Planung öffentliche Bauten), dem Architekturbüro Franz und Sue mit Michael Anhammer, dem Österreichischen Instituts für Schul- und Sportstättenbau mit Brigitte Rabl und Florian Szeywerth sowie der Bundesimmobiliengesellschaft mit Claudia Maria Walther.
Die Interviews wurden als Leitfadeninterviews vor Ort oder online durchgeführt und dauerten jeweils etwa 45–90 Minuten. Ziel war es, praxisbezogene Einschätzungen zu räumlichen, konstruktiven und kontextuellen Anforderungen sowie zu typischen Konfliktfeldern der Bestandsumnutzung im Schulbau zu erfassen.
Die Interviews wurden vollständig transkribiert und anschließend qualitativ ausgewertet. Bereits im Vorfeld wurden auf Grundlage der Forschungsfrage drei zentrale Analyseebenen definiert: räumliche, strukturelle sowie kontextuell-programmatische Kriterien. Die Interviewaussagen wurden diesen Kategorien zugeordnet und entsprechend ausgewertet. Diese Struktur bildet den analytischen Rahmen der folgenden Untersuchung und dient der Beschreibung zentraler Kriterien der Umnutzung von Bestandsgebäuden im Schulbau.
2.2.1 Räumliche Kriterien
Die bisherige Nutzung bzw. der sogenannte baurechtliche Konsens und die gegebenen räumlichen Eigenschaften eines Bestandsgebäudes beeinflussen die Umsetzbarkeit einer schulischen Nutzung. Die Integration von definierten schulischen Raumanforderungen in die räumlichen und baurechtlichen Gegebenheiten von Bestandsgebäuden ist oft mit umfangreichen baulichen Maßnahmen verbunden, vor allem dann, wenn ein Gebäude für andere Nutzungen errichtet wurde. (Ollinger & Geßner, 2025)
Aus dem Interview mit Vertretern der Stadt Wien wird deutlich, dass definierte schulische Raumanforderungen häufig nicht mit den räumlichen Gegebenheiten von Bestandsgebäuden übereinstimmen. Bestehende Gebäude, insbesondere Büro- und Verwaltungsgebäude weisen häufig Grundrissstrukturen auf, die ursprünglich für andere Nutzungsanforderungen konzipiert wurden und daher nur eingeschränkt bzw. mit hohem Aufwand an schulische Raumanforderungen angepasst werden können. Im Bestand muss man sich bei der Umsetzung der räumlich-funktionalen Anforderungen an den gegebenen Raumstrukturen orientieren. Neubau-Raumprogramme können meist nur angenähert umgesetzt werden; Umgang mit Bestandssituationen beinhaltet meist die spannende Herausforderung alternative funktionale Lösungen zu finden. (Ollinger & Geßner, 2025)
Eine zentrale Herausforderung ergibt sich aus der erforderlichen Größe und Geometrie der Klassenräume. Diese sollen mit einer Fläche von rund 70 m² eine annähernd quadratische Grundfläche aufweisen. In Bestandsgebäuden lassen sich diese Vorgaben häufig nur angenähert umsetzen. (Ollinger & Geßner, 2025)
Das Architekturbüro Franz&Sue betont im Interview jedoch, dass unterschiedliche Raumtiefen und Proportionen, nicht als Defizit gesehen werden sollen, sondern als Chance für etwas Neues. Durch größere Raumtiefen können innerhalb der Klassenräume unterschiedliche Zonen ausgebildet werden, etwa für freieres Lernen oder gruppenbezogene Nutzungen, ohne zusätzliche Räume schaffen zu müssen. (Anhammer, 2025)
Ein weiterer Schwerpunkt der räumlichen Eigenschaften liegt auf der Qualität der bereits vorhandenen Strukturen, welche aus den sogenannten „unsichtbaren Parametern“, wie Belichtung, Belüftung, Proportion und Materialität, bestehen. (Walther, 2026) „Die Architektur sollte flexibel bleiben und unterschiedliche Nutzungen zulassen – vergleichbar mit einem Fäustling, der stabil ist, während sich das Innenleben verändern kann.“ (Walther, 2026)
Dieses Verständnis mit dem sogenannten „Fäustling-Prinzip“, steht im Gegensatz zu einem maßgeschneiderten Raum, für eine tolerante räumliche Struktur, die verschiedene Nutzungen aufnehmen kann. Diese räumliche Robustheit wird als zentrale Voraussetzung dafür gesehen, dass ein Schulgebäude auch auf zukünftige pädagogische Veränderungen reagieren kann.
Zusammenfassend zeigen die Interviews mit den Expert*innen, dass räumliche Eigenschaften des Bestands, weniger über die exakte Einhaltung von Idealbildern definiert wird, sondern über die grundsätzliche Eignung vorhandener Räume für schulische Nutzungen. (Walther, 2026)
Abweichungen von typischen Raumgrößen und Geometrien werden dabei nicht zwangsläufig als Mangel bewertet, sondern können, bei entsprechender räumlicher Qualität, neue Nutzungsmöglichkeiten eröffnen. (Anhammer, 2025)
Die räumlichen Eigenschaften von Bestandsgebäuden, zeigen sich dann als geeignet, wenn bestehende Räume schulische Nutzungen aufnehmen können, auch wenn sie von den standardisierten Raumvorgaben abweichen (Walther, 2026; Anhammer, 2025).
2.2.2 Strukturelle Kriterien
Strukturelle Kriterien bilden eine grundlegende Voraussetzung für die Umnutzung von Bestandsgebäuden zu schulischen Nutzungen. Sie betreffen jene baulichen Eigenschaften, die unmittelbar mit sicherheitsrelevanten, statischen und baurechtlichen Anforderungen verbunden sind, was sie nur in sehr begrenztem Umfang veränderbar macht. Im Unterschied zu räumlichen Aspekten lassen sich strukturelle Defizite nicht durch organisatorische Maßnahmen kompensieren, sondern erfordern gezielte bauliche Eingriffe oder führen dazu, dass eine schulische Nutzung grundsätzlich nicht möglich ist. (Rabl & Szeywerth, 2025)
Ein zentrales strukturelles Thema im Schulbau ist der Brandschutz, welcher aufgrund der hohen Personendichte im Schulbetrieb, besonders strengen Anforderungen unterliegt. Bei einer Umnutzung wird ein bestehendes Gebäude baurechtlich als „Umbau“ behandelt, wodurch – im Gegensatz zur Adaption einer bestehenden Bildungseinrichtung - aktuelle Normen und Richtlinien vollständig zur Geltung kommen. Bestandsgebäude, die ursprünglich für andere Nutzungen errichtet wurden, erfüllen diese Anforderungen häufig nicht, z.B. wenn sie über unzureichende Anzahlen und Größen von Brandabschnitten und Treppenhäusern sowie nicht ausreichend Fluchtwege verfügen. Oft schließt daher der erforderliche hohe Aufwand für bauliche Adaptionen eine schulische Nutzung aus. (Ollinger & Geßner, 2025)
Für die Entfluchtung eines Schulgebäudes, müssen seit 2013 zwei unabhängige bauliche Fluchtwege zur Verfügung stehen. In Bestandsgebäuden, besonders in innerstädtischen Kontexten, ist die Herstellung zusätzlicher Fluchtwege oft nur eingeschränkt umsetzbar, wenn z.B. notwendiger Raum für zusätzliche Treppenhäuser nicht gegeben ist oder der Zubau von außenliegenden Fluchtstiegen nur mit erheblichen zusätzlichen baulichen Eingriffen realisierbar ist. (Ollinger & Geßner, 2025)
Neben brandschutzrechtlichen Anforderungen stellt die statische Tragfähigkeit ein weiteres zentrales Kriterium dar. Neben brandschutzrechtlichen Anforderungen stellt die statische Tragfähigkeit ein weiteres zentrales Kriterium dar. Schulgebäude unterliegen höheren Anforderungen an die aufzunehmenden Nutzlasten als andere Nutzungen. Das statische System von z.B. Bürobauten ist daher oft nicht auf diese Lasten ausgelegt. In Bestandsgebäuden ist daher zu prüfen, ob Decken und Tragstrukturen die erforderlichen Lasten aufnehmen können. Ist dies nicht der Fall, werden Verstärkungsmaßnahmen der Primärstruktur notwendig, die die Wirtschaftlichkeit einer Umnutzung maßgeblich beeinflussen. (Ollinger & Geßner, 2025)
Aus Sicht der Bundesimmobiliengesellschaft liegt ein zentraler Aspekt dabei, die spezifischen Potenziale eines Bestandsgebäudes zu erkennen und zu nutzen. Dazu zählen vorhandene bauliche Strukturen, Außenräume, sowie die Einbettung in eine Nachbarschaft. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass der Umgang mit dem Bestand immer durch klare Grenzen bestimmt ist. Diese betreffen unter anderem brandschutzrechtliche Anforderungen, statische Voraussetzungen, Raumhöhen, sowie wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Wird ein bestimmter Schwellenwert überschritten, ist eine Umnutzung bestehender Strukturen aus der Sicht der Bundesimmobiliengesellschaft nicht sinnvoll. (Walther, 2026)
Aus planerischer Sicht wird die Tragstruktur als eine wesentliche Rahmenbedingung beschrieben, die nur begrenzt veränderbar ist. Franz & Sue weisen darauf hin, dass Eingriffe in tragende Bauteile im Bestand nur sehr gezielt erfolgen können und daher frühzeitig mitgedacht werden müssen. Die bestehende Konstruktion wird dabei als langfristig wirksame Grundstruktur verstanden, innerhalb derer sich Nutzungen im Laufe der Zeit verändern können, ohne dass die primäre Tragstruktur grundsätzlich umgebaut wird. (Anhammer, 2025)
Neben statischen und brandschutzrechtlichen Anforderungen ist die technische Infrastruktur ein relevanter Faktor im Umgang mit Bestandsgebäuden. Bestehende Gebäude sind häufig nicht auf die heutigen Anforderungen der Technik ausgelegt, sodass Anpassungen und Adaptierungen im Zuge einer Umnutzung erforderlich werden können. Diese betreffen insbesondere die Integration von haustechnischen Anlagen, welche in die bereits vorhandene Gebäudestruktur integriert werden müssen. Im Zuge der Umstrukturierung wird deutlich, dass im Bestand auch alternative technische Konzepte in Betracht gezogen werden können, die mit geringeren Eingriffen in die vorhandene Struktur verbunden sind. Dazu zählen beispielsweise Lösungen, welche ohne große haustechnische Installationen auskommen, etwa durch alternative Lüftungskonzepte. (Anhammer, 2025)
Zusammenfassend zeigen die strukturellen Kriterien, dass die Umnutzung von Bestandsgebäuden zu Schulbauten, vor allem durch nicht verhandelbare Sicherheitsanforderungen und konstruktive Auflagen begrenzt werden. Brandschutz, Entfluchtung und Statik stellen Rahmenbedingungen dar, die unabhängig von räumlichen oder pädagogischen Qualitäten erfüllt werden müssen. Der Handlungsspielraum liegt nicht im Abweichen von diesen Anforderungen, sondern vielmehr in der Bereitschaft mit dem Bestand zu arbeiten und den Bestand nicht als Einschränkung, sondern als Herausforderung und Potenzial zu sehen. (Ollinger & Geßner, 2025; Anhammer, 2025)
2.2.3 Kontextuell-programmatische Kriterien
Die kontextuellen und programmatischen Eigenschaften eines Standorts bilden eine wesentliche Grundlage für die Beurteilung der Sinnhaftigkeit einer Umnutzung zu einem neuen Schulstandort. In dieser frühen Phase erfolgt eine erste Abwägung, ob der Standort den funktionalen und pädagogischen Anforderungen einer Schule gerecht werden kann.
Die Standortwahl sollte dabei nach Ollinger (Ollinger & Geßner, 2025) vorrangig am lokalen Bedarf ausgerichtet sein und nicht allein an der Verfügbarkeit geeigneter Immobilien erfolgen. Weiters sind Kriterien, wie die sichere fußläufige Erreichbarkeit sowie die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr wichtig, um Individualverkehr zu minimieren. Ebenso spielen Anforderungen an den Lärmschutz eine wichtige Rolle. Dieser betrifft nicht nur die akustische Qualität im Inneren, sondern besonders besonders den Schutz vor außenliegendem Lärm, als auch die Konfliktvermeidung durch Lärmbeschwerden der Anrainer (Ollinger & Geßner, 2025)
Parallel dazu hat sich die Bedeutung von Freiraum im zeitgenössischen Schulbau stark gewandelt. Schule wird nicht mehr nur als Lernort im klassischen Sinne gesehen, sondern als Lebensraum verstanden, der den ganzen Tag eines jungen Menschen umfasst. Dabei spielen Bewegung, Gesundheit und der Bezug zur Natur eine essenzielle Rolle. Lehr- und Lernprozesse hören nicht an der Klassenzimmertür auf, sondern erstrecken sich auf das gesamte Gelände. (Bindel, 2025, S. 68-73)
Bestandsgebäude, welche für eine Umnutzung in Frage kommen, wurden aber selten unter Berücksichtigung dieser Anforderungen konzipiert. Insbesondere Bürogebäude der Nachkriegszeit wurden auf maximale Flächeneffizienz im Inneren optimiert, und oft wurde auf Außenräume verzichtet. In diesem Bereich stößt die Umnutzung von Bestandsgebäuden auf einen signifikanten städtebaulichen Konflikt. Das Fehlen von Freiflächen stellt ein Ausschlusskriterium für die Eignung als Pflichtschulstandort dar, da Pausen und Bewegungsflächen zwingend notwendig sind. (Ollinger & Geßner, 2025) Eine Strategie der Kompensation dieses Freiraummangels stellt die Nutzung der Dachflächen sowie die Doppelnutzung von öffentlichen Parks dar, welche zusätzlich die Verwebung im Quartier fördert. Schule kann Aufgaben des Quartiers übernehmen und so zu einem wichtigen Teil der Stadt werden, statt eine isolierte Insel zu sein. Das stärkt den sozialen Zusammenhalt und die Sicherheit im Quartier. Auch die Öffnung von Schulfreiräumen für die Öffentlichkeit kann dabei helfen, soziale Brennpunkte zu entschärfen und die Verbundenheit der Bewohner*innen mit der Schule zu erhöhen. (Rabl & Szeywerth, 2025) Über den Freiraumbedarf hinaus zeigt sich besonders die Integration eines normgerechten Turnsaals mit 405m2 und mindestens 5m lichter Raumhöhe als Herausforderung. Solche großen Volumina sind in Bestandstrukturen (Büro/Wohnen) nur selten vorhanden und lassen sich räumlich kaum integrieren. Besonders in innerstädtischen Lagen ist ein ist der Zubau eines solchen Turnsaals oft nicht möglich. (Ollinger & Geßner, 2025) Die mögliche Auslagerung bestimmter Räumlichkeiten auf andere Standorte wird unterschiedlich beurteilt. Einerseits entstehen dadurch Herausforderungen bei der Aufsicht der Schüler*innen, besonders der Jüngeren im Pflichtschulbereich, und ein erhöhter organisatorischer Aufwand, (Ollinger & Geßner, 2025)andererseits kann sie dazu beitragen, bestehende und zeitweise ungenutzte Infrastruktur besser auszulasten und durch den notwendigen Ortswechsel die Bewegung im Schulalltag fördern. Auch, betont Frau Walther, dass durch Fehlen dieser Infrastruktur kreative Lösungen wie „kleine Bewegungsorte“ mit alternativem Angebot (bspw. eine Boulderwand) entstehen können. Diese differenzieren das sportpädagogische Angebot, anstatt nur Norm zu erfüllen. (Walther, 2026)
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich eine Eignung eines Standorts nicht ausschließlich über die Erfüllung aller Normen auf dem eigenen Grundstück definieren lässt. Auch spielen Aspekte wie die Vernetzung im Quartier bzw. die Auslagerung und das Teilen von Infrastruktur mit der Öffentlichkeit sowie kreative Adaptierungslösungen und pädagogische Flexibilität eine große Rolle. (Rabl & Szeywerth, 2025; Walther, 2026)
Die Schule Gersthof wurde als Fallbeispiel gewählt, da sie zeigt, wie ein bestehendes Gebäude, welches ursprünglich zu nicht schulischen Zwecken errichtet wurde, an die Anforderungen eines Schulbaus angepasst und mit neuen pädagogischen Konzepten verknüpft werden kann. Die Umnutzung des ehemaligen orthopädischen Spitals basierte dabei wesentlich auf den räumlichen Gegebenheiten des Bestandsbaus, die den Ausgangspunkt für die neue Raumorganisation bildeten.

Abb. 4 Vom Spital zum Schulcampus (Franz&Sue, o.D.)
2.3.1 Ausgangslage und Projektkontext
Die Schule Gersthof befindet sich im 18. Wiener Gemeindebezirk und wurde von einem orthopädischen Spital, welches im Jahr 1926 von den Architekten Mautner und Rothmüller entworfen wurde, in eine sogenannte Modellschule umgebaut. (Bundesimmobiliengesellschaft, 2021) Bereits zu Beginn, als das ehemalige Spital erworben wurde, war vorgesehen, das Bestandsgebäude in eine Schule umzubauen. Im Jahr 2020/21 fiel die Entscheidung mit Themen der Zukunft, Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Ziel war es, dass Architektur langfristig anpassungsfähig sei und der Bestand bewusst als Zukunftsmodell verstanden wird. Nicht das perfekte maßgeschneiderte Gebäude war das Ziel, sondern eine robuste Struktur, die flexibel genutzt werden kann. (Walther, 2026) Die Auftraggeberin ist die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), welche im Jänner 2021 einen EU weiten Wettbewerb für die Funktions- und Bestandssanierung des ehemaligen orthopädischen Spitals ausschrieb. (Bundesimmobiliengesellschaft, 2021) Die Ausschreibung erfolgte nicht im Sinne eines klassischen Wettbewerbes, sondern im Rahmen eines zweistufigen, EU-weiten Verhandlungsverfahren. Eine Bauaufgabe, ein Funktionsprogramm, ein räumliches Konzept, sowie ein Budget wurden festgelegt und Architekturbüros konnten sich mit einer Referenz bewerben, ohne einen Entwurf zu generieren. In den zweiten Schritten des Verhandlungsverfahrens, wurden sechs Büros für die zweite Stufe ausgewählt, ihre Entwürfe auszuarbeiten und zu präsentieren. Durch eine Fach- & Sachjury wurde der Gewinner des Auschreibeverfahrens ermittelt. (Walther, 2026)
Den Wettbewerb entschied das Architekturbüro Franz&Sue Architekten, welche nach den Anforderungen der BIG das Projekt umgesetzt haben. Bei dem denkmalgeschützten Gebäude war es wichtig, dass das äußere Erscheinungsbild sowie die wesentlichen Merkmale des Gebäudes erhalten bleiben sollen. Der Projektkontext war von mehreren Herausforderungen geprägt. Einerseits sollte der historische Gebäudebestand respektiert und weitgehend erhalten bleiben, andererseits mussten neue Raumprogramme, moderne Lernformen und erhöhte Anforderungen an Sicherheit, Belichtung, Akustik und Barrierefreiheit integriert werden. Es entstanden 23 neue Klassen mit Freibereichen für offenes Lernen. Außerdem wurde das ehemalige Kellergeschoss des orthopädischen Spitals freigelegt und ein neues Gartengeschoss mit direktem Zugang zur Freifläche geschaffen. Weiters wurde bei der Umgestaltung darauf geachtet, dass die Anforderungen für Digitalisierung, neue pädagogische Konzepte und die Unterbringung des Ganztagesbetriebes erfüllt werden. (Bundesimmobiliengesellschaft, 2021)
Die Unterbringungen der Sonderlehrräume wie Physik und Chemie, erfolgt in den ehemaligen Verwaltungsvillen des Krankenhauses, welche auf der Westseite der Parkanlage zu finden sind. Weitere Funktionen, wie der Sportunterricht mussten ebenfalls untergebracht werden, somit wurde die Anlage an der Ostseite noch um zwei Sporthallen als Neubauten erweitert, um die pavillonartige Struktur der Anlage weiterhin zu behalten und um möglichst wenig Bäume des teils hundertjährigen Baumbestands fällen zu müssen und um weiterhin den Charakter des Ortes und dieser Parkanlage zu behalten. (Anhammer, 2025)
2.3.2 Räumliche und strukturelle Analyse
Die Umnutzung des ehemaligen orthopädischen Krankenhauses in Gersthof zu einer Modellschule basiert auf den vorhandenen räumlichen und strukturellen Qualitäten des Bestands. Das Gebäude weist einen lineare Grundrissorganisation auf, die sich durch gut belichtete Räume, moderate Raumtiefen sowie eine Erschließung durch einen Mittelgang auszeichnet. (Anhammer, 2025)
Ziel war die Entwicklung robuster Räume mit hoher Aufenthaltsqualität. Ein zentrales Anliegen lag auf grundlegenden, oft nicht unmittelbar wahrnehmbaren Parametern, wie Belichtung, Belüftung, Raumproportion, Akustik und Materialwahl. Die architektonische Struktur sollte dauerhaft Bestand haben und zugleich flexibel bespielbar bleiben, als tragfähiger Rahmen, der sich an wechselnde Nutzungen anpassen lässt. (Walther, 2026)
Ein wichtiger Vorteil des Bestands liegt in der vorhandenen Raumstruktur mit ausreichend großen Fensteröffnungen und einer angemessenen Raumtiefe, die eine gute Tageslichtversorgung ermöglicht. Diese Qualitäten sind für schulische Nutzungen essenziell, um die für Lern- und Aufenthaltsräume erforderlichen Maßnahmen zu erfüllen. Die bestehende Grundrisslogik erlaubt es, Klassenzimmer ohne grundlegende Eingriffe in die Gebäudestruktur anzuordnen und dabei ein neues Nutzungskonzept zu integrieren. Dabei wurde bewusst auf eine strikte einheitliche Klassenraumproportion verzichtet, um mit den vorhandenen räumlichen Gegebenheiten arbeiten zu können. (Anhammer, 2025)
Im Zuge der Umnutzung zeigte sich, dass die teilweise größere Raumtiefe einzelner Klassenräume nicht als Einschränkung gesehen werden müssen, sie eröffnete vielmehr neue räumliche Möglichkeiten. Neben dem klassischen Unterrichtsbereich konnten zusätzliche Zonen für freies Lernen, Gruppenarbeit oder neue Aufenthaltsbereiche geschaffen werden. Diese Erweiterung des Raumprogramms innerhalb eines einzelnen Klassenraums stellt eine Qualität dar, die in klassischen Neubauten mit vorgegebenen Raummaßen oft nicht gegeben ist. Der Bestand wirkt somit nicht einschränkend, sondern gibt Ideen für neue pädagogische Raumkonzepte. Ein weiterer wesentlicher Aspekt der Gebäudestruktur betrifft die Erschließung, da die ursprünglich vorhandenen Stiegenhäuser nicht mehr den heutigen Anforderungen von Brandschutz und Fluchtwegen im Schulbau entsprechen. Daher wurde ein zusätzliches Stiegenhaus ergänzt, um die gegebenen Anforderungen der heutigen Standards zu gewährleisten. Der Eingriff in den Bestand erfolgte möglichst schonend und wurde dem Bestand der Fassade passend angenähert. Die Bereitschaft, mit den vorhandenen Raummaßen, Achsen und Strukturen zu arbeiten, erwies sich als entscheidend für eine nachhaltige Transformation, um neue schulische Anforderungen aufzunehmen, ohne die bauliche Substanz grundlegend zu zerstören. Damit wird deutlich, dass insbesondere robuste Grundrissstrukturen mit guten Belichtungsverhältnissen, ausreichenden Raumhöhen und anpassungsfähigen Erschließungssystemen eine wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Umnutzung bestehender Gebäude zu Schulbauten darstellen. (Anhammer, 2025)
2.3.3 Nachhaltigkeitsanalyse
Die Nachhaltigkeit des Projekts Gersthof zeigt sich insbesondere im Wiederverwenden der baulichen Substanz, in der langfristigen öffentlichen Nutzung sowie im verantwortungsvollen Umgang des Standortes und der Struktur des Gebäudes. Ein zentraler Aspekt liegt dabei, das bestehende Gebäude weiter zu nutzen, anstatt es abzubrechen und neu zu errichten. (Anhammer, 2025)
Durch den Erhalt der tragenden Bausubstanz kann ein erheblicher Anteil der grauen Energie bewahrt werden. Ein Bestandsgebäude hat im Vergleich zu einem Neubau einen deutlichen Vorteil in der CO₂-Bilanz, da 26% der CO2-Emissionen bei der Herstellung der Materialien eingespart werden können. (Laroche, Sapinski, & Savoie, 2025, S. 106)
Im Umgang mit der baulichen Substanz wurde das Gebäude im Wesentlichen auf die Rohbaustruktur zurückgeführt und weiterentwickelt, wobei einzelne prägnante Bestandselemente, wie der denkmalgeschützte Eingangsbereich, Teile der Stiegenhäuser sowie vorhandene Fliesen- und Oberflächenelemente erhalten und teilweise mit Ergänzungen weitergeführt wurden. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Wiederverwendung historischer Bauteile an ihre technischen Grenzen stößt, da insbesondere bei Fenstern die heutigen Anforderungen an Energieeffizienz und Verglasung häufig dazu führen, dass bestehende Konstruktionen nicht vollständig erhalten werden können, bzw. an heutige Standards angepasst werden müssen. (Anhammer, 2025)
Auch im Bereich der Sportflächen wurde bewusst reduziert geplant. Neben einer Normturnhalle wurde lediglich ein kleinerer Bewegungsraum in der Parkanlage realisiert. Dadurch konnten Flächenverbrauch, Errichtungskosten, Energieaufwand und Bodenversiegelung verringert werden, ohne die funktionalen Anforderungen des Schulbetriebs zu beeinträchtigen. (Walther, 2026) Walther betont hier: „Ich baue weniger, ich muss weniger Instandhaltern, weniger beheizen, weniger warten [...] und ich versiegle weniger Fläche“ (Walther, 2026)
Auch wurde durch das Abgraben des Geländes der bestehende Keller in ein vollwertiges Gartengeschoss verwandelt. Durch diese Intervention ließen sich nutzbare Quadratmeter gewinnen, ohne zusätzlich Fläche zu versiegeln. Ein wesentlicher Zielkonflikt zwischen Nachhaltigkeit und funktionaler Anpassung ergibt sich im Bereich der Haustechnik, da der heutige Schulbetrieb, insbesondere durch die Ganztagesschule, erhöhte Anforderungen an Luftqualität und sommerlichen Wärmeschutz stellen. Der Einbau einer klassischen mechanischen Lüftungsanlage hätte jedoch einen massiven Eingriff in die vorhandene Struktur, sowie eine Reduktion der Raumhöhe zur Folge gehabt, weshalb ein alternatives Lüftungskonzept umgesetzt wurde, welches auf kontrollierte Fensterlüftung setzt. Das System erfolgt mit CO2-Sensoren, welche bei einem zu hohen CO2-Wert die Fenster im oberen Bereich kippen. Durch die Öffnungen im unteren Bereich der Wand, kann die Querlüftung erfolgen und sowohl im Winter als auch Sommern einen Luftaustausch gewährleisten. Dieses System erfordert zwar einen erhöhten planerischen und technischen Aufwand, ermöglicht jedoch eine Verbesserung des Raumklimas bei gleichzeitiger Schonung der bestehenden Gebäudestruktur. Dabei ist zu betonen, dass die Lage des Gebäudes innerhalb einer Parkanlage dieses Konzept zusätzlich begünstigt. (Anhammer, 2025)
Technische Kühlung wurde ausschließlich in jenen Bereichen vorgesehen, in denen sie betrieblich erforderlich ist, wie etwa in Mehrzweckräumen. Ergänzend kamen Photovoltaikanlagen, verbindliche Produktzertifizierungen sowie kontinuierliche Messungen der Raumluftqualität zum Einsatz. Ziel war es, mit einem reduzierten technischen Aufwand eine hohe ökologische und funktionale Qualität zu gewährleisten, die sowohl die Erstkosten als auch die langfristigen Wartungs- und Energiekosten minimiert. (Walther, 2026)
Neben der ökologischen Dimension gewinnt die soziale Nachhaltigkeit an zentraler Bedeutung dazu, da der Standort des ehemaligen orthopädischen Spitals bewusst nicht einer privaten Nutzung überlassen wurde, sondern als öffentlicher Bildungsstandort für die Zukunft und Öffentlichkeit gesichert ist. Die Weiternutzung des Gebäudes an einem gut gelegenen Standort trägt dazu bei, öffentliche Infrastruktur dauerhaft zu erhalten und auch das städtebauliche Quartier wiederzubeleben. (Rabl & Szeywerth, 2025)
Insgesamt zeigt das Projekt, dass Nachhaltigkeit im Weiterbauen vor allem über den Erhalt robuster Strukturen, die langfristige Nutzbarkeit, den verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Standorten sowie über angepasste technische Lösungen im Bestand erreicht wird. (Anhammer, 2025) Der Verzicht auf Maximallösungen in Bezug auf Flächenbedarf und Betriebsfähigkeit schafft eine Synergie zwischen ökologischer, ökonomischer und sozialer Nachhaltigkeit. (Anhammer, 2025, Walther, 2026)
2.3.4 Kontextuelle Analyse
Der Standort der Schule Gersthof, ist in einen besonderen städtebaulichen Kontext eingebettet, welcher auch im Projekt eine zentrale Rolle spielt. Das ehemalige orthopädische Spital befindet sich in einer großzügigen Parkanlage und ist von einem Baumbestand umgeben, der seit über 100 Jahren existiert. Das Besondere an dieser Schule ist, dass sie, obwohl sie im städtebaulichen Kontext eingebettet ist, einen außergewöhnlich hohen Freiraumanteil bietet und dem Schulstandort einen starken landschaftlichen Bezug verleiht. (Anhammer, 2025)
Der Bestand folgt einer pavillonartigen Struktur mit mehreren Baukörpern, die verstreut in der Parklandschaft angeordnet sind. (siehe Abb. 5) Diese Struktur wurde im Zuge der Umnutzung beibehalten und weitergeführt. Auch neue Nutzungen und Ergänzungen wurden so in die Pavillonstruktur integriert, um das bestehende Prinzip der freistehenden Baukörper zu erhalten. Die Erweiterung von zusätzlichen Funktionen, wie Sporthallen, sowie Chemie- und Physiksaal erfolgte daher nicht als Anbau, sondern als eigenständige Baukörper, um die bestehende Struktur beizubehalten. (Anhammer, 2025)
Ein zentrales Potenzial stellte der Außenraum dar, der gezielt in den schulischen Alltag eingebunden wurde. Das Projekt wurde als Campusschule mit mehreren Baukörpern und einem dazwischenliegenden Park entwickelt, der von den Schüler*innen frei genutzt werden kann. (Walther, 2026)
Darüber hinaus wird der Standort auch im städtischen Kontext als öffentlicher Ort gesehen, da die Entscheidung, das Areal nicht zu privatisieren, sondern als Bildungsstandort zu sichern, als Ausdruck öffentlicher Verantwortung verstanden wird. Der Schulstandort bleibt dadurch als Teil für die städtische Gemeinschaft erhalten und zugänglich. (Anhammer, 2025)

Abb. 5 Lageplan - Modellschule Gersthof (Franz&Sue, o.D.)
Das Projekt Schule Gersthof zeigt, dass Bestandsgebäude ein hohes Potenzial für zeitgemäßen und nachhaltigen Schulbau aufweisen können, sofern sie nicht als Hürde, sondern als gestalterischer Ausgangspunkt verstanden werden. (Anhammer, 2025) Ziel war es nicht, eine ideale Neubausituation zu kreieren, sondern innerhalb der bestehenden Struktur pädagogisch zeitgemäße Nutzungen zu ermöglichen. (Walther, 2026) Entscheidend dafür ist eine Haltung, die bereit ist, mit den vorhandenen räumlichen Gegebenheiten zu arbeiten, weiterzuentwickeln und die Potentiale des Bestandes zu nutzen. (Anhammer, 2025)
„Von Beginn an war klar, dass das Gebäude kein perfekter, maßgeschneiderter Handschuh sein soll, sondern eher ein Fäustling.“ (Walther, 2026)
Hohe Raumqualität wurde dabei weniger über technische Ausstattung, sondern über grundlegende räumliche Parameter definiert. Insbesondere Belichtung, Belüftung, Raumproportionen, Akustik und Materialität, die sogenannten „unsichtbaren Parameter“, bilden die Basis für eine Architektur, die anpassungsfähig bleibt und über einen langen Zeitraum genutzt werden kann. (Walther, 2026)
Nachhaltigkeit wurde im Projekt nicht ausschließlich technisch verstanden, sondern primär über den Erhalt und die Weiterverwendung der bestehenden Bausubstanz definiert. Die Nutzung vorhandener Strukturen bedeutet eine erhebliche Einsparung grauer Energie und stellt damit einen wesentlichen ökologischen Vorteil gegenüber einem Neubau dar. (Walther, 2026)
Low-Tech-Strategien, wie die automatisierte Fensterlüftung anstelle einer flächendeckenden mechanischen Lüftungsanlage, welche sich besser in den Gebäudebestand, aufgrund der Raumhöhe integrieren ließ und auch eine hohe Umwelt- und Nutzungsqualität aufweist. (Anhammer, 2025; Walther, 2026)
Ein weiteres wesentliches Potenzial lag in der Außenanlage, die bewusst in den schulischen Alltag integriert wurde. Die Organisation als Campusschule mit mehreren Baukörpern und einem verbindenden Parkraum ermöglicht nicht nur Bewegung und Nutzung in den Pausen, sondern stärkt auch soziale Interaktion und Aufenthaltsqualität. Der Außenraum wird somit zu einem wichtigen Bestandteil des pädagogischen Konzepts. (Walther, 2026)
Gleichzeitig macht das Projekt deutlich, dass Umnutzung kein universell übertragbares Modell darstellt. Übertragbar sind nicht konkrete Lösungen, sondern vor allem die erlernten Prinzipien. Der bewusste Umgang mit dem Bestand, die Akzeptanz von Abweichungen von Idealmaßen, sowie die Abwägung zwischen Erhalt und notwendigem Eingriff stellen diese dar. Grenzen der Umnutzung zeigen sich insbesondere in Bereichen wie Brandschutz, Statik, Raumhöhen und Wirtschaftlichkeit. Das Projekt versteht sich daher als Modell für einen Transformationsprozess, aus welchem man lernen kann und die gelungenen Aspekte in zukünftigen Projekten wieder aufgreifen kann. (Walther, 2026)
Ziel dieser Arbeit war es, das Potenzial bestehender Gebäude für eine nachhaltige schulische Umnutzung zu untersuchen und zu analysieren, welche räumlichen, strukturellen und kontextuellen Eigenschaften deren Eignung bestimmen. Die Ergebnisse zeigen, dass Bestandsgebäude grundsätzlich ein erhebliches Potenzial für den zeitgemäßen Schulbau aufweisen, sofern sie nicht als Defizit, sondern als Ausgangspunkt planerischer Entwicklung verstanden werden.
Auf räumlicher Ebene erweist sich nicht die exakte Erfüllung normierter Idealmaße als entscheidend, sondern die Qualität der vorhandenen Struktur. Robuste Grundrissorganisationen, ausreichende Raumhöhen, gute Belichtungsverhältnisse sowie moderate Raumtiefen ermöglichen es, schulische Nutzungen auch innerhalb bestehender Geometrien umzusetzen. Abweichungen von Standardvorgaben müssen dabei nicht zwangsläufig, als Mangel interpretiert werden, sondern können bei entsprechender planerischer Haltung, neue pädagogische Potenziale eröffnen. Der Bestand wirkt somit nicht einschränkend, sondern kann Möglichkeiten für alternative Raumkonzepte liefern.
Strukturelle Kriterien markieren jedoch klare Grenzen der Transformierbarkeit. Brandschutz, Entfluchtung, statische Tragfähigkeit sowie technische Anforderungen stellen nicht verhandelbare Rahmenbedingungen dar, die unabhängig von gestalterischen Ansprüchen erfüllt werden müssen. Besonders die baurechtliche Gleichstellung von Umnutzung und Neubau erhöht die planerische Komplexität erheblich. Die Fallstudie der Modellschule Gersthof verdeutlicht jedoch, dass durch gezielte Eingriffe, zusätzliche Erschließungselemente sowie angepasste Low-Tech-Strategien eine Balance zwischen normativer Erfüllung und Erhalt der Substanz möglich ist.
Auch auf kontextueller Ebene zeigt sich, dass die Eignung eines Standorts nicht ausschließlich über die vollständige Erfüllung aller Normanforderungen am eigenen Grundstück definiert werden sollte. Die Einbettung in ein gewachsenes Quartier, die Nutzung vorhandener Freiräume sowie die Möglichkeit, Infrastruktur zu teilen, erweitern den Handlungsspielraum erheblich. Schulen können dadurch als integrative Stadtbausteine wirken und zur sozialen sowie städtebaulichen Stabilität beitragen.
Darüber hinaus bestätigt die Untersuchung die zentrale Bedeutung der grauen Energie und der Lebenszyklusbetrachtung in der Abwägung zwischen Neubau und Umnutzung. Der Erhalt der Primärkonstruktion stellt einen wesentlichen ökologischen Vorteil dar, da bereits gebundene Emissionen nicht erneut freigesetzt werden. Nachhaltigkeit im Bestand zeigt sich daher primär im Erhalt und in der Weiterverwendung der vorhandenen Bausubstanz sowie in angepassten technischen Lösungen, die die bestehende Struktur respektieren. Trotz der hohen theoretischen und ökologischen Relevanz wird Adaptive Reuse im österreichischen Bildungsbau bislang nur eingeschränkt umgesetzt. In der Praxis kommt eine Umnutzung meist nur dann zustande, wenn ein Gebäude zufällig sehr gut für (Franz&Sue, o.D.)eine neue Funktion geeignet ist oder wenn, ein starker politischer Wille besteht, einen Standort für die Öffentlichkeit zu sichern und damit rein ökonomische Überlegungen in den Hintergrund treten, wie man am Projekt Gersthof sehen kann.
Fachleute fordern daher einen grundlegenden Paradigmenwechsel im Planen und Bauen. Anstelle des Maßanzugs, also perfekt zugeschnittener und stark normierter Neubauten, sollte das Prinzip des Fäustlings treten. Gemeint sind robuste und flexible Strukturen, die nicht in jedem Detail optimiert sein müssen, aber dauerhaft funktionieren und Anpassungen ermöglichen. Dafür ist eine Auflockerung starrer Normen zugunsten praktikabler und bestandstauglicher Lösungen erforderlich.
Instrumente wie die EU-Taxonomie, die nachhaltige Investitionsentscheidungen erleichtert bieten bereits Unterstützung. Auch zukünftige Regelwerke wie die OIB-7, welche das österreichische Baurecht stärker mit den Zielen des „European Green Deal“ harmonisieren soll, und weisen in diese Richtung.
Um jedoch eine echte Veränderung zu bewirken, reicht eine bloße Anpassung von Normen nicht aus. Insbesondere die derzeitige Praxis, Bestandsgebäude bei einer Umwidmung rechtlich wie Neubauten zu behandeln, stellt eine erhebliche Hürde dar. Darüber hinaus braucht es gezielte gesetzliche Anreize, die auch die Privatwirtschaft dazu motivieren, den Gebäudebestand wieder als ernsthafte und wirtschaftlich attraktive Option zu betrachten.
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Abb. 4 Vom Spital zum Schulcampus (Franz&Sue, o.D.)
Abb. 5 Lageplan - Modellschule Gersthof (Franz&Sue, o.D.)
Interview mit Michael Anhammer von Franz&Sue
Projekt Schule Gersthof
Interviewer: Wir schreiben zum Thema Schulbau, Klimawandel und nachhaltige Schule eine Seminararbeit. Unser Schwerpunkt ist Schulbau in Bestandsgebäuden. Dazu haben wir uns verschiedene Projekte angesehen und sind darauf gestoßen, dass Sie Gersthof gemacht haben. Deshalb gleich zu Beginn: Können Sie uns kurz den Hintergrund des Projekts Gersthof schildern und wie es zur Umnutzung des Bestandsgebäudes zum Bildungsstandort kam?
Anhammer: Es geht um Folgendes: Die Stadt Wien hat um 1900 einige Krankenhäuser gebaut. Das war eines dieser Krankenhäuser, zunächst war es das Orthopädische Spital. Das Schöne ist, wir haben auch Originalfotos gefunden, die damals publiziert worden sind. Die sind in einem Monatsheft für Architektur veröffentlicht worden, und man sieht, wie wenig bewachsen das damals war. Die Idee der Stadt Wien war, eine moderne Krankenhausanlage zur Verfügung zu stellen.
Das Interessante an dem Gebäude ist, dass es heute in einer sehr dichten Park Situation steht. Und interessant ist auch, dass es bis vor kurzer Zeit tatsächlich als Spital genutzt worden ist. Lange Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ist es dann eine Geburtsklinik gewesen. In Wien gibt es wirklich viele Leute, die erzählen, dass sie dort geboren worden sind.
Dann war es so, dass die Stadt Wien gesagt hat, sie sperrt das Krankenhaus zu. Es gab eine große Krankenhausreform. Krankenhäuser funktionieren mittlerweile nicht mehr so, dass überall Personal ist, sondern man braucht hochspezialisierte Leute rund um die Uhr an bestimmten Standorten. Deswegen wurden kleinere Krankenhäuser geschlossen, unter anderem dieses.
Und dann wäre das fast naheliegend gewesen. Es ist ja sehr schön gelegen, am Beginn des Wienerwalds, in der weiteren Cottage Gegend. Eigentlich wäre es aufgelegt gewesen, dass die Stadt Wien damit Geld macht, indem sie das Ganze veräußert und dort Wohnbau entsteht. Aus irgendeinem glücklichen Grund hat die Stadt Wien aber gesagt: Es gibt eine Verantwortung der Kommune, dass das eben nicht veräußert wird. Stattdessen hat sie sich mit der BIG, der Bundesimmobiliengesellschaft, darauf geeinigt, dass die BIG das kauft und zu einem Schulstandort umbaut.
Das ist sozusagen die Geschichte dahinter. Und das Schönste an der Geschichte ist eigentlich dieser Transformationsprozess. Wenn man in Zeiten sinkender Budgets und großer Nöte schaut, was das Wesentliche an so einem Transformationsprozess ist, dann ist es, dass irgendwann jemand die gescheite Idee hat: Ich mache etwas Gescheites daraus. Man hätte viel mehr Geld damit machen können, aber so wird es ein Standort für die Öffentlichkeit und für die Zukunft.
Ich halte es für extrem notwendig, dass der Staat an verschiedenen Standorten Dinge nicht aufgibt, die gut gelegen sind und gut funktionieren, sondern dass der Staat Verantwortung übernimmt. Da gibt es viele Beispiele in Österreich, wo das gut funktioniert. Deswegen finde ich auch, wenn man oft auf den Staat oder die Kommune schimpft, dass das in solchen Fällen gut gemacht wird.
Die BIG hat nicht gesagt: Ich brauche genau dort eine Schule. Sie hat gesagt, sie braucht prinzipiell Schulen. Sie haben begonnen umzubauen und gesagt: Weil wir dort noch keine Direktion und keine Nutzerin oder Auftraggeberin haben, die genau sagt, was sie möchte, überlegen wir uns selber, wie ein Transformationsprozess von einem alten Gebäude mit allen Vor- und Nachteilen zu einer modernen Schule funktionieren kann. Das haben wir dort gemeinsam gemacht. Deswegen heißt es auch Modellschule. Nicht, weil es ein Modell als Objekt ist, sondern weil es ein Modell für einen Transformationsprozess zu einer modernen Schule ist.
Keine Ahnung, wo seid ihr aufgewachsen, alte Schule, Kaserne? Und nicht nur in Wien, wenn man durch Österreich fährt, gibt es in vielen Städten Schulen im K und K Stil: links Mädchen, rechts Burschen. Das vergesse ich immer wieder, aber um 1900 waren die getrennt. Dann gab es ein paar gemeinsame Räume, zum Beispiel Physik. Das stand in der Mitte, und rundherum links und rechts ein Gang und auf der einen Seite kasernenartig diese Räume. Jetzt ist die Frage: Wenn man sich heute überlegt, wie Schule funktioniert, ist das noch zeitgemäß? Wir gehen von Inklusion und vielen weiteren Themen aus. Da muss man anfangen zu überlegen: Wie kann so etwas funktionieren? Habe ich eure Frage beantwortet? Das war so ein bisschen der Prozess.
Interviewer: Vielen Dank. Uns interessiert besonders die räumlich strukturelle Dimension. Was braucht ein Bestandsgebäude, damit man es möglichst effizient umnutzen kann? Welche baulichen und räumlichen Eigenschaften haben sich im Prozess als besonders vorteilhaft erwiesen?
Anhammer: Prinzipiell kann man mit solchen Gebäuden gut umgehen. Ungünstig ist es, wenn das Ganze so in den Gatsch gebaut worden ist, dass die Fundamente nicht tragfähig sind. Aber wenn diese Struktur seit 100 Jahren steht, ist das einmal gut. Ziegel muss man prüfen, ob die Haltbarkeit noch ausreichend ist, aber grundsätzlich kann man damit gut umgehen.
Das Zweite ist, dass man sich anschauen muss, was da ist. Man kann sich natürlich alles vorstellen, aber wenn am Schluss nichts mehr da ist von dem, was am Anfang da war, dann hat man etwas falsch gemacht. Man muss in einer Weise mit dem arbeiten, was da ist. Das hat mit der Raumhöhe zu tun, mit den Stiegenhäusern. Damals sind Stiegenhäuser geplant worden, und seit 100 Jahren ist dort niemand umgekommen. Aber heutzutage muss man nach den neuen Bauvorschriften Fluchtwege einhalten. Da geht es um Stiegenhausbreiten, Fluchtwegslängen und Brandschutzmaßnahmen. Das Stiegenhaus war meistens nicht abgeschlossen.
Dann muss man sich strukturell überlegen: Wie kann entfluchtet werden? Das heißt, man braucht in solchen Gebäuden eigentlich immer irgendwo neue Stiegenhäuser. Das ist ein Grundsatz. Wenn man sich das anschaut, war klar, dass das nicht ausreichend ist, und wir haben zum Beispiel ein neues Stiegenhaus eingebaut. So ein Stiegenhaus einbauen, das zeigt man im Entwerfen oft sehr einfach. Aber sobald man umbaut, bedeutet ein einziger Strich im Rohbau eine massive Maßnahme. Man muss schauen, dass das nicht alles zusammenbricht, sondern dass es strukturell passt. Das ist für mich das Wesentliche: Dass man umbaut und viel erhalten bleibt.
Dann muss man sich die Decken anschauen. Man denkt vielleicht romantisch an Holztramdecken, aber in der damaligen Zeit wurde schon viel mit Eisenbeton gearbeitet. Diese Strukturen muss man prüfen: Funktioniert die Überdeckung? Ist die Tragfähigkeit noch da? Gibt es Korrosion? Man braucht Untersuchungen.
Und das Dritte ist wichtig, da geht es noch gar nicht darum, wie die Schule leiwand funktioniert, sondern um die Struktur: Ist das leistbar? Was fliegt weg? Und dann muss man überlegen, wie man das mit der Haustechnik macht. Haustechnik funktioniert heute anders als früher. Man braucht mehr Toilettenanlagen, getrennt, man braucht ein Lehrer WC, Inklusions WC. Man muss überlegen, ob in jeder Klasse ein Waschbecken sein soll. Das ist alles noch relativ einfach. Aber dann ist die Frage: Wie bekommt man dort eine gute Luft hin? Das sind wesentliche Fragen, die man am Anfang klären muss. Das hat alles mit Struktur zu tun. Und wenn man das hat, kann man überlegen, was an anderen Möglichkeiten noch übrig bleibt.
Interviewer: Damit beschäftigen wir uns ja genau. Welche Voraussetzungen braucht ein Gebäude, damit man es gut an heutige Schulstandards anpassen kann, ohne zu viel abzureißen?
Anhammer: Das Schöne ist, das sind Strukturen, die prinzipiell angenehm sind. Es gibt eine Anzahl an Räumen, die Raumtiefe ist okay, die Fenster sind groß. Insofern sind diese Gebäude tauglich. Und dann muss man überlegen: Wie kann man neue Anforderungen so integrieren, dass man nicht alles kaputt macht?
Wenn jemand sagt: Ich brauche eine Klasse mit genau 65 Quadratmetern und einem Zuschnitt zwei zu drei, dann kann man es vergessen. Dann braucht man eine neue Schule und muss es woanders machen. Man muss akzeptieren, dass manche Dinge so sind, wie sie sind. Genau das finde ich gut. Dann braucht es ein Gespräch zwischen Nutzerinnen und Planerinnen, was möglich ist. Zu sagen: Wir hauen alle Mittelmauern weg, weil die Klassen zu wenig tief sind, macht keinen Sinn. Man braucht eine Bereitschaft, mit der Struktur zu arbeiten, die da ist.
Wenn man einen Wettbewerb macht und darin steht: Ich brauche 20 Klassenzimmer mit fixen Ausmaßen und die dürfen nicht anders sein, dann hat man ein Problem. Es braucht eine Bereitschaft, mit dem zu arbeiten, was da ist.
Interviewer: Und gab es sonst Lösungen, die Sie finden mussten?
Anhammer: Man muss wissen, die Klasse hat eine gewisse Tiefe. Wenn man eine Klasse mit einer bestimmten Quadratmeterzahl will, ich glaube 65 Quadratmeter sind das momentan, dann ist das von der Möblierung her nicht sehr leiwand, weil man einfach viel zu tief ist. Wenn du hinten etwas hinstellst, siehst du vorne nicht mehr, was gebeamt wird, vereinfacht gesagt. Deswegen mussten wir überlegen, wie so eine Klasse funktionieren kann.
Im hinteren Bereich hatten wir plötzlich die Chance, einen Bereich zu schaffen, den es in keiner klassischen Klasse gibt. Diese Frage des freien Lernens ist mittlerweile extrem wesentlich. Freilernen heißt, dass nicht immer 24 Leute zusammensitzen, sondern dass ein paar Leute woanders sitzen. Dafür hast du in einer klassischen Schule keinen Raum. Plötzlich gibt es einen Raum dafür, und dann kann man überlegen, wie man ihn möbliert. Man bekommt damit eine Qualität, die in der Schulbauordnung so nicht vorgesehen ist.
Eine andere Sache ist: Wenn man in diese Schule eine Lüftungsanlage einbaut, weil man sagt, gute Luft ist wesentlich, dann bekommt man plötzlich Klassenräume, bei denen die Raumhöhe eher wie im sozialen Wohnbau wirkt. Man zerstört die Struktur, weil Lüftungsleitungen so groß sind. In diesem Fall haben wir ein alternatives Lüftungskonzept. Das muss aber akzeptiert werden und ist aufwendiger. Darüber muss man reden.
Es gibt dort in Wahrheit sogar die schönsten Klassen. Du denkst: Die Klassenzimmer haben eine völlig falsche Proportion. Aber wenn du dir überlegst, es funktioniert als Klassengemeinschaft eigentlich super. Und dann gibt es plötzlich einen Bereich, da stellt sich die Klassengemeinschaft ein Sofa hinein und das funktioniert fünf Jahre. Das sind Qualitäten. Man will Bildungsinstitutionen haben, die nicht fünfzigmal das Gleiche sind.
Eigentlich wünsche ich mir, dass man Orte hat, die eine eigene Identität schaffen. Man ist in einer Großstadt, aber für diese Jahre in einer Schulgemeinschaft, die eine spezielle, zusammengeschweißte Identität hat. Und das kann so ein Bestand bieten. Beim Neubau musst du dir das oft kompliziert ausdenken.
Interviewer: Welche Rolle spielte die Nachhaltigkeit im Entwurfsprozess bei diesem Projekt und wie wurde sie definiert, also ökologisch, sozial, funktional?
Anhammer: Du hast einen riesigen Vorteil, wenn du viel Bestandsmasse verwendest. Das ist in der CO2 Bilanz kaum zu übertreffen. Und es ist kostengünstiger. Eine Schule so umzubauen ist günstiger, als wenn du das abreißt und neu baust, auch wenn es mühsam ist. Den Rohbau neu hinzustellen ist einfach teurer. Insofern ist das schon nachhaltig, indem man Dinge nutzt, die bereits gegeben waren.
Uns interessiert auch soziale Nachhaltigkeit. Für mich ist ein wesentlicher Aspekt, dass eine Gemeinschaft die wesentlichen Räume einer Gemeinschaft nicht privatisieren darf und sie dann an den Stadtrand stellt. Ein Gerichtsgebäude muss meiner Ansicht nach sichtbar an einem wesentlichen Standort in einer Stadt sein und darf nicht irgendwo neu gebaut werden, wo am Kreisverkehr drittes links der Autobahnanschluss ist und die richtige Anzahl an Parkplätzen vorhanden ist. Da stimmt emotional etwas nicht.
Als soziale Nachhaltigkeit braucht eine Stadt Gemeinschaftsräume. Warum ist Helsinki so leiwand? Weil jemand eine Bibliothek in die Mitte stellt und alle dort etwas machen. Heute überlegen viele Städte kompliziert: Wo sind sozial wesentliche Orte, wo Gemeinschaft funktioniert? Weil nicht mehr alle gemeinsam in die Kirche gehen, und nicht mehr alle gemeinsam in den Jugendklub. Diese Orte gibt es so nicht mehr. Dann müssen andere Orte her, und eine Schule ist ein Gemeinschaftsort.
Wir müssen an wesentlichen Orten bauen. Standort ist das Erste. Das Zweite ist Qualität. Es ist ein Unterschied, ob es abgenudelt ist und man sich überlegt, was der kleinmögliche Fensteranteil ist, oder ob man in ein Gebäude hineingeht und sieht: Da hat jemand für uns ein total schönes Gebäude bereitgestellt. Das macht etwas. Wenn Kinder da reingehen, ist klar: Da ist eine Wertehaltung dahinter. Diese Wertehaltung ist wesentlich. Deswegen ist die Weiternutzung solcher Objekte so wichtig, im Nachhaltigkeitsaspekt Gemeinschaft.
Und die Frage der Effizienz, ich kann das doch viel effizienter woanders hinstellen, ist ein blöder Gedanke. Dann fehlen Wertschätzung, Inklusionsgedanke, kurze Wege und die Sichtbarmachung von Orten in einer Stadt.
Interviewer: Wie wurde mit Materialien und Bauelementen umgegangen und gab es Wiederverwendung oder bewusste Reduktion?
Anhammer: Man baut so etwas auf den Rohbau zurück. Alles andere ist schwierig. Ich lache immer über Wettbewerbe, wo dann ein Kran steht und drei Fertigteilelemente. Eine Baustelle ist Dreck. So schaut ein Gebäude in der Weiternutzung aus: Du entkernst das ganze Ding, du hast eine Rohbausubstanz, und von der arbeitest du weiter.
Die Fenster konnten nicht weiterverwendet werden. Decken und Boden sind eigentlich der Schatz, den es gibt. Möglichst viele Überlager behalten, das ist die Substanz, um die es geht. Erhalten haben wir in einzelnen Bereichen alte Friesen, also Fliesen. Der Eingang war denkmalgeschützt, den haben wir erhalten. Aber das Gebäude ist seit 100 Jahren mehrfach umgebaut worden, da ist innen nicht mehr so viel Originalsubstanz vorhanden gewesen. Vor kurzem war ein Spital drin, da gibt es nicht den schönen Parkettboden, sondern nutzbare Oberflächen. Und das war alles weg.
Es gab noch teilweise solche Dinge, das ist das Original, und damit haben wir weitergearbeitet. Fliesenböden haben wir dort ergänzt, wo sie nicht mehr da waren. Das Stiegenhaus mit dem Geländer ist original, solche Sachen behält man. Der Rest kommt dazu.
Um die Akustik herzustellen, brauchst du akustische Flächen. Die Decke musst du neu machen, sonst kriegst du das nicht hin. Ein Gang ohne Akustikdecke in der Schule, den kannst du vergessen.
Man bemüht sich, Fenster zu erhalten. Das Problem ist, dass du sie oft neu machen musst. Wenn du ein Kastenfenster hast, brauchst du eines mit Isolierglas, sonst funktioniert die Energieeffizienz nicht. Isolierglas bedeutet aber oft, dass du das Fenster nicht erhalten kannst, weil es zu schwer ist für den Fensterflügel von vor 100 Jahren. Dann musst du ihn entfernen und einen neuen machen. Diese romantische Idee, ich mache das einfach neu, stößt da an Grenzen.
Zur Lüftung: Jeder Raum hat Lüftungsflügel, das sind Kipper, die elektrisch angesteuert sind. Zu gewissen Zeiten fahren die auf. Dadurch strömt die Luft durch ein akustisches Dämpfungselement, sie strömt nicht direkt, sondern wird umgelenkt. Dadurch hast du Querlüftung und bekommst gute Luft hin, ohne ein mechanisches Lüftungssystem einzubauen. Dadurch, dass es in einem Park steht, funktioniert das auch im Sommer und es ist überraschend kühl.
Zum Keller: Was früher Keller war, wird abgegraben, Türen werden geöffnet, und plötzlich ist es ein Gartengeschoss. Das funktioniert.
Und noch ein Beispiel aus Salzburg, ein Gerichtsgebäude: Das ist vor 100 Jahren in zwei Bauabschnitten gebaut worden. Wir haben in der Mitte einen Querriegel entfernt. Dann sieht man, was von einem scheinbar perfekten Gebäude übrig bleibt. Die eine Fassade war nie gedacht, dass sie mit der anderen zusammenhängt. Da brichst du plötzlich etwas ab und musst überlegen: Willst du eine neue Fassade? Willst du sie gleich nachbauen? Machst du es mit Styropor oder in alter Technik? Was ist Ehrlichkeit in der Architektur? Sollen sie aussehen wie vor 100 Jahren? Haben sie einen Vollwärmeschutz oder findest du Vollwärmeschutz nicht okay? Eigentlich müssten sie mit Stahlbeton gebaut werden, aber ist Stahlbeton das richtige Material? Solche Fragen. Man muss ständig Haltungen hinterfragen.
Interviewer: Wie beurteilen Sie die langfristige Nutzungsflexibilität des Gebäudes? Ist eingeflossen, dass das in 100 Jahren vielleicht wieder etwas anderes ist?
Anhammer: Wir machen es nach bestem Wissen und Gewissen. Ich hoffe, für die nächsten 50 Jahre eine gute Schule, die gut funktionieren wird. Und dann überlegen sich die Nächsten, was sie damit machen.
Ich hoffe, wir haben das Ding aufgewertet, in dem Sinn, dass es gut saniert und erhalten worden ist. Ob man es später wieder abreißt oder nicht, ist eine andere Frage.
Ihr studiert, oder seid in den 90ern geboren, da sind viele Sachen gebaut worden, die es jetzt gar nicht mehr gibt. Ich finde, Nachhaltigkeit hat oft mit langlebigen Strukturen zu tun, die verwendbar sind. Und das hat auch mit Verantwortlichkeit zu tun, wer das nutzt.
Wer im 22. Bezirk etwas in Beton hinstellt, das Haus behält und die nächsten 100 Jahre vermietet, hat nachhaltig gebaut. Und wer im Holzbau ein Einkaufszentrum hinbaut und in sieben Jahren wird es wieder weggerissen, der baut auch mit Holz nicht nachhaltig. Deswegen sind diese Cradle to Cradle Argumente oft Scheinargumente. Das sind Blendgranaten von Investoren. Da wird unheimlich viel Geld gemacht, damit dann irgendjemand sagt: Das ist ein Plus Energiehaus, und dann stehen davor 120 Parkplätze. Entschuldigung, da bin ich emotional.
Interviewer: Gibt es Gebäudetypologien, die sich besonders gut eignen?
Anhammer: Ich würde gewisse Dinge wieder anders machen. Aber du hast zweitragende Kerne und in der Mitte kannst du Dinge verändern. Das Zweite ist, dass die Raumhöhe gut ist. Und du hast einen Fensteranteil, der es ermöglicht, gewisse Dinge zu machen. Und du hast eine Erschließung, die vielleicht erlaubt, dass du etwas anderes nachfädeln kannst. Ich finde solche Sachen wichtig. Flexibilität wird manchmal überschätzt, aber diese Grundstruktur Flexibilität wird oft unterschätzt.
Interviewer: Welche drei Faktoren würden Sie als entscheidend für das Gelingen der Umnutzung betrachten?
Anhammer: Die Auftraggeberin und das Team, dass das gemeinsam geht, ist das Wichtigste. Und der Wille, mit der Substanz zu arbeiten und nicht gegen die Substanz zu arbeiten.
Interviewer: Gibt es Aspekte, die im Diskurs über nachhaltigen Schulbau im Bestand zu wenig Beachtung finden?
Anhammer: Bei jedem Projekt, das wir bearbeiten, wird zum Beispiel die Frage der Lüftung nicht mehr diskutiert. Haustechnik ist mittlerweile ein riesiges Thema. Dadurch, dass Schulen jetzt Ganztagesschulen sind, von 7:00 bis 17:00 Uhr, ist die Frage der Aufenthaltsqualität völlig anders. Wenn du in einem Gebäude sitzt, das einfach 30 Grad hat, ist das etwas anderes, als wenn es nur am Vormittag warm ist. Dazu braucht es kluge Konzepte.
Das, was wir da machen, diese Fensterspaltlüftung, ist immer noch ein Konzept, das mehr oder weniger im Experimentierstadium ist und kein Standard. Das zu standardisieren und sich dazu kluge Gedanken zu machen, ist noch eine riesige Baustelle. In jeder Schule beginnst du von vorne darüber nachzudenken. Und das ist so teuer und so wesentlich für Schule. Da ist noch viel Luft nach oben.
Interviewer: Vielen Dank für dieses Interview.
Interview mit Birgitte Rabl & Florian Szeywerth vom OISS
Potenziale bestehender Gebäude für eine nachhaltige Umnutzung in einen Schulbau
Interviewer: Welche Bedeutung haben Umnutzungen im aktuellen Diskurs des österreichischen Bildungsbaus, insbesondere bei Ihnen im ÖISS?
Rabl: Ich würde sagen, die Bedeutung ist auf jeden Fall wachsend, insbesondere im Hinblick auf den Bodenverbrauch, die generelle Zirkularität und die Nachnutzung. Es war zwar schon immer so, dass etwa 80 % der Bildungsbautätigkeit das Bauen im Bestand, also Sanierungen, betraf. Aber der Fokus darauf, gezielt andere Gebäude umzunutzen oder genauer zu prüfen, ob man etwas wirklich abreißen muss oder ob es noch Möglichkeiten gibt, nimmt nach meiner Wahrnehmung deutlich zu.
Szeywerth: Das glaube ich auch. Es gab eine Zeit, in der man probiert hat, eher aufzustocken, ähnlich wie der Dachausbau im Wohnbau. Vor der Modifizierung der Erdbebennorm gab es im Bildungsbau ein oder zwei Beispiele, in denen Stockwerke aufgesetzt wurden. Das ist aktuell jedoch kaum noch der Fall; mir würden dazu momentan keine aktuellen Beispiele einfallen. In der Schweiz hingegen gibt es das Thema, dass beispielsweise alte Fabriken als Bildungsbauten umgenutzt wurden.
Rabl: Ich habe wahrgenommen, dass man vor einigen Jahren bei anstehenden Generalsanierungen noch schneller gesagt hat: „Das Gebäude ist aus den 70er oder 80er Jahren, das kommt weg, da sich die Sanierung nicht auszahlt.“ Heute wägt man genauer ab und schaut nicht mehr nur auf den reinen Kostenvergleich zwischen Neubau und Sanierung. Man denkt nun eher darüber nach, dass das Gebäude bereits vorhanden ist, was man im Rahmen einer Funktionssanierung daraus machen kann und ob es sich nicht doch noch verwerten lässt.
Interviewer: Das Thema ist also in den letzten Jahren deutlich größer geworden. Kommt es denn häufig vor, dass Gebäude, die ursprünglich für Nicht-Bildungszwecke errichtet wurden, in Bildungseinrichtungen umgenutzt werden? Oder ist das noch eher selten?
Rabl: Die Umnutzung von widmungsfremden Gebäuden ist noch etwas sehr Neues. Ich habe in den letzten Jahren wahrgenommen, dass man sorgfältiger mit dem Bestand umgeht und nicht mehr so schnell „Tabula rasa“ macht. Diese spezielle Umnutzung ist jedoch ein sehr junges Thema. Es ist aber so, dass uns das in letzter Zeit auch bei der Stadt Wien begegnet ist. Durch den Zuzug von Familien gab es dort einen extrem hohen Bedarf an Bildungsräumen. Infolgedessen hat man sich Bestandsgebäude angesehen, um zu prüfen, ob man dort, zumindest temporär, eine Schule unterbringen könnte.
Interviewer: Da gibt es ja dieses Modellbeispiel der Schule Gersthof im Türkenschanzpark, das früher ein Krankenhaus war.
Rabl: Genau, das war dieses Projekt.
Interviewer: Wir haben bereits mit den Architekt*innen darüber gesprochen. Das war sehr spannend, da uns besonders interessiert, welche raumtypologischen Aspekte im Schulbau entscheidend sind. Welche davon sind Ihrer Erfahrung nach unverzichtbar und welche eher verhandelbar? Was braucht ein Raum, damit er als Schule funktionieren kann?
Rabl: Bleiben wir beim Beispiel Gersthof: Dort muss man sicherlich Dinge hinterfragen, die in einem Standardraumprogramm oder in einem Neubau selbstverständlich wären. Man hat dort beispielsweise keine optimalen Raumzuschnitte für die Klassen vorgefunden. Hier muss man genau prüfen, ob es nicht trotzdem funktioniert. Speziell ist dort auch, dass nicht alles unter einem Dach untergebracht ist. Es gibt ein separates Gebäude für die Naturwissenschaften, und die Turnhalle ist ebenfalls ein eigenständiges Gebäude. Man pocht nicht darauf, alles trockenen Fußes erreichen zu müssen. Es kann also ein Campus mit verschiedenen Gebäuden sein. Die Grundstruktur muss natürlich ermöglichen, eine Abfolge von Unterrichtsräumen und offenen Lernzonen unterzubringen. Ich überlege gerade, ob mir ein Gebäude einfällt, das ein absolutes „No-Go“ wäre, aber ich denke, man kann vieles realisieren.
Szeywerth: Ich glaube, wenn das Tragsystem beziehungsweise der Konstruktionsraster passt, lässt sich sehr viel machen. Man kann nicht pauschal sagen, dass sich ein bestimmter Gebäudetypus besonders eignet. Ein Krankenhaus mit vielen gleichartigen Zimmern wäre, sofern die Größe annähernd passt und die Tragstruktur es zulässt, sicher leichter umzurüsten als beispielsweise ein Wohnbau. Im Wohnbau hat man unterschiedliche Wohnungsgrößen und viele Sanitäreinheiten, was die Sache schwieriger macht. Die ROSE in Linz in der Tabakfabrik ist ein Paradebeispiel. Ich glaube, das ist ein privater Träger, der dort einen Bildungsbau, teilweise auch nur in Teilbereichen, integriert hat. Da man dort beispielsweise keine Sporthalle unterbringen konnte, nutzt man entsprechende Einrichtungen im „Grätzel“ mit. Es kommt also hinzu, dass man Funktionen, die in der vorhandenen Struktur keinen Platz finden, extern auslagert.
Rabl: Genau. Man schaut dann, ob das ein Ausschlussgrund ist oder ob man sich mit dem Stadtquartier vernetzt und Angebote in der Nähe mitnutzt. Man löst sich von dem Gedanken, dass zwingend alles am Standort unter einem Dach sein muss – solange die Wege nicht zu lang werden.
Interviewer: Bedeutet das, dass man bei solchen Umbauten oft flexibler sein muss, was die Räume betrifft? Dass man die pädagogischen Anforderungen an die vorhandene Anordnung anpasst, anstatt starr an einem Plan festzuhalten?
Rabl: Das hängt stark vom Schulträger ab. Wie erwähnt, hat man sich bei der ROSE als Privatschule auf loftähnliche Strukturen eingelassen. Es sind keine klassischen Klassen, sondern Strukturen, in denen gearbeitet wird. Bei einem öffentlichen Schulträger wie dem Bund oder der Stadt Wien könnte ich mir eine solch extrem offene Gestaltung schwieriger vorstellen. Aber auch Gersthof wurde in Zusammenarbeit mit der Bildungsdirektion Wien realisiert, wobei man akzeptiert hat, dass die Klassen keinen klassischen Zuschnitt haben. Die Frage ist immer, wie viel man zulässt, damit die Pädagogik noch sinnvoll mit den Räumen arbeiten kann.
Szeywerth: Ein interessantes Beispiel – wenn auch kein Umbau, sondern ein Neubau ist das Gymnasium „In der Au“ in Innsbruck. Dort befindet sich unter der Schule ein Supermarkt. Die Tragstruktur des Supermarktes hat sich in den Bildungsbau nach oben fortgesetzt. Dadurch entstanden sehr breite Erschließungsflächen. Wenn man das richtige Personal hat, das diese Flächen pädagogisch gut bespielen kann, entstehen dadurch Gewinne, die eigentlich aus einem baulichen Zufall resultieren.
Rabl: Das Gymnasium wurde eigentlich sehr konventionell geplant, verfügt aber durch die Supermarktstruktur über außergewöhnlich breite Gänge, die in keinem Standardraumprogramm stehen würden. Die Schule hat dort ein Department-System ohne Stammklassen eingeführt. Durch die breiten Gänge funktioniert das hervorragend; die Aufenthaltsbereiche mit Spinden erinnern an amerikanische Schulen, und die Jugendlichen können sich beim Raumwechsel dort problemlos aufhalten. Das ist ein sehr unkonventioneller Schulbau.
Interviewer: Man könnte es also als Chance sehen, neue Konzepte auszuprobieren, indem man sie an bestehende Strukturen anpasst.
Rabl: Ja, genau. Im Neubau würde niemand so breite Gänge finanzieren, da die Kubatur zu teuer wäre. Wenn man jedoch einen Bestand wie ein Einkaufszentrum vorfindet, bietet das solche Chancen.
Interviewer: Sehen Sie Grenzen bei Bestandsgebäuden, bei denen ein Umbau schwierig wird? Etwa bei Gebäudetiefe, Fensteranteil oder Belichtung?
Rabl: Es gibt sicher projektspezifische Probleme. Schwierig wird es, wenn Räume voller Stützen stehen oder tragende Gebäudekerne einer sinnvollen Nutzung im Weg stehen. Das muss man sich im Einzelfall ansehen. Auch der Fensteranteil ist kritisch, wenn die Belichtung nicht passt. In Gersthof sind die Räume langgestreckt und entlang der Fensterfassade orientiert. Bei sehr tiefen Räumen, die innen keine Belichtung mehr erhalten, wird es schwierig.
Szeywerth: Auch die Raumhöhe ist ein Faktor.
Rabl: Absolut. Man darf nicht vergessen, dass man die Raumhöhe für das Luftvolumen braucht. Wir erhalten oft Anfragen von privaten Trägern, die Räume mit einer Höhe von nur 2,50 Metern als Unterrichtsräume nutzen wollen. Man denkt oft, das seien nur bürokratische Vorschriften, aber wenn dort 25 Jugendliche sitzen, kann man gar nicht so viel lüften, um das fehlende Volumen auszugleichen. Zudem ist die Raumhöhe relevant für die Belichtungstiefe.
Interviewer: Welche Rolle spielt die soziale Nachhaltigkeit, etwa die Einbindung der Schule in das Umfeld oder flexible Nutzungsmöglichkeiten? Haben Sie dazu Beispiele?
Szeywerth: Ein gutes Beispiel für die Einbindung in das Stadtviertel sind die Bildungskampusse in Wien. Dort gibt es Möglichkeiten für die umliegende Bevölkerung, etwa durch die Mehrfachnutzung von Freiräumen. Oft sind dort auch eine Musikschule, ein Jugendzentrum oder eine Bibliothek integriert, wodurch die Bevölkerung in den Bau eingebunden wird.
Rabl: Oder im ländlichen Bereich: Im Frühjahr waren wir in Zeltweg. Dort wurde die Volksschule so umstrukturiert, dass ein neuer Dorfplatz entstand, den es vorher nicht gab. Die Bibliothek ist nun öffentlich zugänglich. Die Schule übernimmt dort wieder die zentrale Rolle in der Gemeinschaft, wie es früher bei der Kombination aus Kirche, Schule und Gasthaus war. Das ist wichtig für die soziale Nachhaltigkeit, dass Bildung präsent ist und vielleicht auch Angebote wie Erwachsenenbildung geschaffen werden. Vor einigen Jahren haben wir in London eine Schule in einem sozialen Brennpunkt besucht, die bewusst attraktiv und offen gestaltet wurde. Ziel war es, Familien aus bildungsfernen Schichten in die Schule zu holen, etwa über die Volkshochschule, um zu zeigen, dass Bildung etwas Positives ist. Das führte zu einer höheren Wertschätzung bei den Kindern, die uns ganz stolz durch ihr Gebäude geführt haben.
Szeywerth: Wir haben heute gerade die neue Ausgabe erhalten, in der die Bildungslandschaft „Altstadt Nord“ in Köln thematisiert wird. Das ist ein Viertel mit sozialen Herausforderungen. Dort wurden verschiedene Bildungsbauten um eine „grüne Mitte“, einen Park, herum gruppiert. Man hat die Bevölkerung eingebunden und Räume geschaffen, die gemeinsam nutzbar sind, wie eine Mensa, Ateliers für den Werkunterricht oder eine Bibliothek. Der Park ist nicht von den Schulen abgetrennt, sondern durch eine kluge Wegeführung zoniert. Nur der Kleinkinderbereich des Kindergartens ist eingezäunt, alles andere ist offen.
Rabl: Es wurde berichtet, dass dies zu einer sozialen Aufwertung des Viertels geführt hat. Der Park hatte vorher ein Drogenproblem. Dadurch, dass er nun der zentrale Freiraum für mehrere Bildungseinrichtungen und die Bevölkerung ist, hat er an Attraktivität und sozialer Sicherheit gewonnen.
Interviewer: Interessant. Gibt es Instrumente oder Kriterien, mit denen Sie soziale Nachhaltigkeit bewerten, insbesondere bei Sanierungen oder Umnutzungen?
Rabl: Spezielle Bewertungskriterien wüsste ich jetzt nicht.
Szeywerth: Ich auch nicht.
Rabl: Das ÖISS wird manchmal in Beteiligungsprozesse geholt. In Knittelfeld haben wir uns beispielsweise sämtliche Bildungseinrichtungen angesehen und einen Bildungsentwicklungsplan erstellt: Wie kann man sie umnutzen, wie können sie besser zusammenspielen? Dabei haben wir geprüft, wer zu viel oder zu wenig Platz hat. Aber harte Bewertungskriterien...
Szeywerth: Wenn wir Partizipationsprojekte begleiten, schauen wir im Nachgang, was wie umgesetzt wurde und wo man nachschärfen muss. Aber es gibt keine Plakette, die bescheinigt, dass es funktioniert. Für eine umfassende Nachhaltigkeitsbewertung wäre das natürlich interessant. Im Sportstättenbau wird das oft diskutiert, da es für große Unternehmen Berichtspflichten zur Nachhaltigkeit gibt. Wenn ein Unternehmen einen Sportverein sponsert, möchte es nachweisen können, dass dies Pluspunkte für seine Nachhaltigkeitsbewertung bringt. Für Schulen habe ich so etwas jedoch noch nicht gesehen.
Rabl: Wie hätten Sie sich denn Tools für die Bewertung sozialer Nachhaltigkeit vorgestellt?
Interviewer: Das ist eine gute Frage. Wir haben darüber nachgedacht, sind aber auf keinen gemeinsamen Nenner gekommen. Es ist schwer abzugrenzen: Wo fängt man an, wo hört man auf? Wie setzt man das in eine Skala um? Was ist „gut“, was ist „schlecht“? Das ist zudem extrem standortabhängig, je nach Bevölkerung und Positionierung.
Rabl: Allein die Festlegung der Kriterien stelle ich mir schwierig vor. Woran misst man das?
Szeywerth: Genau. Die Abgrenzung und die Erhebung nach diesen Kriterien sind sehr komplex. Im Sportstättenbau in Großbritannien werden Gebäude oft nach dem Prinzip „Embodied Carbon“ bewertet, also wie viel CO2 in der Baumasse und den Materialien gebunden ist. Das kann jedoch zu Effekten führen, die nicht unbedingt den gewünschten Weg weisen. Wenn man beispielsweise eine Tiefgarage baut, erreicht man die Zielvorgaben oft nicht mehr. Es könnte aber sein, dass die Nutzer einer Sporthalle größtenteils mit dem Auto kommen müssen, weil es keine andere Möglichkeit gibt. In London wurde festgestellt, dass Menschen trotz guter Öffis mit dem Auto zum Schwimmbad fahren, besonders Familien mit viel Gepäck. Ohne Parkplätze hätte man dort weniger Nutzer. Die Frage ist: Wie rechnet man Nachhaltigkeit wirklich? Über die Errichtungskosten? Über die Betriebskosten der gesamten Lebenszeit? Oder über die Gesamtkosten pro Nutzer über die Lebenszeit? Wir würden dazu tendieren, die Nutzung pro Person über die Lebenszeit als Maßstab zu nehmen, damit das Gebäude möglichst effizient genutzt wird.
Interviewer: Es hängt also stark von der gewählten Bewertungsmethode ab. Wahrscheinlich ist es bei der sozialen Nachhaltigkeit ähnlich.
Szeywerth: Genau.
Rabl: Da fließen viele Parameter ein, die schwer messbar sind – wie der Lernerfolg oder die Zufriedenheit. Wir haben uns im Bereich der Evaluierung schon oft gefragt, wie man solche atmosphärischen Qualitäten erfassen kann.
Interviewer: Sehen Sie Zielkonflikte zwischen Nachhaltigkeit und funktionaler Anpassung, etwa bei Sanierungen, wenn neue pädagogische Konzepte tiefe Eingriffe in die Bausubstanz erfordern?
Rabl: Bei Generalsanierungen gibt es oft das Problem, dass im Rahmen der Beteiligungsprozesse mehr gewünscht wird als nur eine technische Sanierung von Heizung und Fassade. Wir wollen den Raum an zeitgemäße Pädagogik anpassen. Das erfordert meist massivere Eingriffe in die Bausubstanz als eine einfache Sanierung einer Gangschule. Glücklicherweise gibt es bei unseren Auftraggebern den Bildungsdirektionen und dem Ministerium mittlerweile ein Bewusstsein dafür. Man akzeptiert zwar vielleicht keinen großen Zubau für offene Lernzonen, aber es ist in Ordnung, die vorhandene Substanz stärker umzustrukturieren.
Interviewer: Welche Rolle spielt der städtische Kontext? Was ist essenziell, um ein Gebäude, das nicht als Schule geplant war, im städtischen Raum als solche zu betreiben?
Rabl: Ein gewisser Freiflächenanteil ist wichtig, oder zumindest ein nahegelegener Park. Die Dachflächennutzung wird im städtischen Raum aufgrund des Platzmangels zwar forciert, wird aber durch den Klimawandel schwieriger. Ein Ort, an dem Kinder auch bei Hitze nach draußen können, ist essenziell. Zudem müssen Sportanlagen erreichbar sein, wenn sie nicht im Gebäude untergebracht werden können, sowie eine gute generelle Erreichbarkeit des Standorts.
Szeywerth: Es gibt Standorte mit schlechter Öffi-Anbindung oder Schulwegen, die durch Angsträume oder hohes Verkehrsaufkommen unattraktiv sind. Ziel sollte es sein, dass der Schulweg zu Fuß bewältigt werden kann, anstatt „Elterntaxis“ zu forcieren.
Rabl: Lagen an extrem befahrenen Straßen sind schwierig. Im Neubau kann man mit doppelwandigen Konstruktionen abschirmen und öffentliche Flächen dorthin verlagern. Im Bestand lässt sich das oft kaum noch in den Griff bekommen.
Interviewer: Da stellt sich die Frage, ob es sich auszahlt, den Bestand zu nutzen, wenn man im Grunde ein neues „Haus im Haus“ bauen muss und das Ergebnis dennoch schlechter ist als ein Neubau.
Rabl: Man braucht dann oft eine mechanische Lüftung, weil es draußen zu laut oder die Luft zu schlecht ist. Das ist im Bestand schwer umzusetzen. Irgendwann stößt man an Grenzen, an denen man sich fragen muss, ob der Standort wirklich attraktiv ist.
Interviewer: Welche Chancen ergeben sich durch die Integration in den Stadtraum? Gibt es dazu in Wien oder Umgebung Beispiele?
Rabl: In Wien gibt es den Ansatz der „Bildungsgrätzel“, in denen sich Einrichtungen vernetzen und Infrastruktur teilen. Das dient auch dazu, Übergänge zu erleichtern. Die Bildungskampusse holen Stadtteilfunktionen wie Jugendzentren oder Musikschulen hinein. Im Bestand wüsste ich in Wien kein echtes Pilotprojekt. Es gibt jedoch die Broschüre der Stadt Wien „Einfach Mehrfach“, die sich mit Mehrfachnutzung beschäftigt. Die Stadt versucht vermehrt, Freiräume für das Quartier zu öffnen, was im Neubau jedoch einfacher umsetzbar ist, da man den Zugang besser steuern kann, ohne dass Fremde sofort im gesamten Gebäude stehen.
Interviewer: Kommen wir zum Abschluss: Was sind aus Ihrer Sicht die entscheidenden Erfolgsfaktoren oder „Lessons Learned“? Gibt es Themen, die wir noch nicht besprochen haben?
Szeywerth: Ich erwähnte das Beispiel aus der Schweiz. Anfang des Jahres hatten wir eine Veranstaltung „Bausteine Bildung und Sport“. Dort wurde das Schulhaus in der Mattenstraße in Biel präsentiert. Man kann die Folien dazu auf unserer Homepage finden. In einer ehemaligen Fabrik wurde eine Schule mit sehr wenigen Interventionen untergebracht. Ein großer Büroraum wurde zum Klassenzimmer, wobei der Boden einfach belassen wurde. Besonders spannend: Die Sporthalle wurde als „Raum im Raum“ in eine große Halle gestellt. Die „Lesson Learned“ daraus ist, dass man es einfach versuchen muss. Es gibt zwar Abstriche beim Standardprogramm, aber es ergeben sich positive Nebeneffekte. Die Sporthalle hat beispielsweise eine hervorragende Akustik, da der Schall in der großen Außenhülle „verdampft“. Man muss prüfen, ob die benötigten Strukturen im Gebäude umsetzbar sind, und dann berechnen, ob sich die Sanierung gegenüber einem Abriss lohnt.
Rabl: Wichtig ist auch, die künftigen Nutzer frühzeitig einzubinden. In Gersthof gab es eine Art Partizipation, obwohl es nur ein temporäres Ausweichquartier ist. Man sollte die Pädagogik einbinden, um zu klären, was zwingend nötig ist und was gar nicht geht. Man muss flexibel bleiben und offen für unkonventionelle Lösungen sein, anstatt nur den Standard eines Neubaus auf den Bestand zu projizieren.
Interviewer: Uns interessiert das Thema Nachhaltigkeit besonders im ökologischen Sinne – leerstehenden Gebäuden neues Leben einzuhauchen. Wie flexibel reagieren Behörden darauf? Nehmen sie es als Chance wahr, neue Wege zu gehen, auch wenn Regeln dafür gebeugt werden müssen?
Rabl: Wir würden uns das insbesondere für temporäre Lösungen wünschen. Als die Stadt Wien aufgrund des Familienzuzugs eine große Containeroffensive startete, gab es viel Widerstand. Wir dachten damals: „Gibt es keine Leerstände, die man für ein paar Jahre nutzen kann?“ Da gab es vonseiten der Stadt wenig Flexibilität. Ein Gegenbeispiel ist Feldkirchen an der Donau: Beim Neubau einer Volksschule ging die Containerfirma kurz vor der Lieferung in Konkurs. Man hat die Kinder kurzerhand in verschiedenen Gebäuden im Ort untergebracht, etwa im Gemeindeamt. Das hat das Dorfleben so belebt, dass die Leute traurig waren, als die Kinder in die neue Schule einzogen. Solche unkonventionellen Lösungen sollte es öfter geben. Vielleicht etabliert sich so etwas ja dauerhaft.
Szeywerth: Es braucht oft diesen extremen äußeren Druck wie in Feldkirchen, um diesen Schritt zu wagen. Bei den Containerschulen in Wien hieß es oft, dass sich die Investition in einen Leerstand für eine nur kurze Nutzungsdauer nicht rechnet. Man kalkuliert meist mit mindestens zehn Jahren Besiedelung. Der Leidensdruck muss wohl erst noch größer werden, damit man Gebäude bezieht, die vielleicht nicht ganz perfekt passen.
Rabl: Es herrscht oft dieser Anspruch, dass alles perfekt sein muss. Aber wie das Beispiel aus der Schweiz zeigt: Es muss nicht immer perfekt sein, besonders nicht für eine begrenzte Zeit. Kinder sind vielleicht lieber in einem alten Gemeindeamt als in einem Container.
Szeywerth: Es spielt wohl auch die Angst vor Beschwerden oder die Sorge um Ungleichbehandlung gegenüber anderen Standorten eine Rolle. Wenn man keine anderen Vorzüge hervorheben kann, wird das Provisorium oft negativ gesehen. Das ist auch eine Frage der Vermittlung. Generell glaube ich, dass sich der Trend ändert. Früher wollte man immer etwas Neues, das exakt den eigenen Ansprüchen entspricht. Heute gibt es in der Gesellschaft einen „Vintage-Trend“, man sucht nach dem Einzigartigen, auch wenn es mehr Aufwand bedeutet. Das kommt auch in der Architektur an. Es ist etwas anderes, Baustoffe aus dem Katalog mit festen Spezifikationen zu wählen, als Materialien zu recyceln. Beim Recycling muss man prüfen, ob die Anforderungen noch erfüllt werden. Man muss diesen Extraschritt gehen wollen.
Rabl: In der Architektur gibt es heute den Anspruch, sorgsam mit der Substanz umzugehen. Bei der Sanierung der AHS Ettreichgasse hat der Architekt darauf geachtet, möglichst wenig abzubrechen und das Beste aus dem Bestand herauszuholen. Es wurden sogar bewusst alte Palisander-Regale in der neuen Bibliothek weiterverwendet, weil man diese Qualität heute neu gar nicht mehr bekäme. Das ist eine tolle Tendenz: Zu schauen, was man erhalten und mit wenigen Eingriffen aufwerten kann.
Interviewer: Solche Gebäude haben oft einen Standortvorteil, den man heute durch einen Neubau gar nicht mehr ohne Abriss erreichen könnte. Man schont die Umwelt, indem man die „graue Energie“ erhält.
Rabl/Szeywerth: Ganz genau.
Interviewer: Sehr spannend. Wir haben viel Neues gelernt. Vielen Dank für die Einblicke.
Interview mit Gerald Ollinger & Annegret Geßner von der MA56
Potenziale bestehender Gebäude für eine nachhaltige Umnutzung in einen Schulbau
Interviewer: Welche Bedeutung hat der Umgang mit dem Bestand aktuell in der Wiener Schulpraxis, insbesondere im Vergleich zum Neubau? Also wie sehr wird der Umbau schon wahrgenommen, oder ist das überhaupt noch gar kein Thema?
Ollinger: Na ja, fangen wir so an: Neubau ist die Schaffung neuen Schulraums, ein Zubau ist ebenfalls die Schaffung neuen Schulraums. Umbau bedeutet, unter Anführungszeichen, die Sanierung der Bestandsgebäude. Das findet statt. Da gibt es ein eigenes Schulsanierungspaket, in das über eine halbe Milliarde Euro investiert wird. Dort wird der Bestand im Prinzip mit definierten Maßnahmen wieder auf Vordermann gebracht. Das fängt bei der Außenhülle an, also Dach, Fassade, Fenster, und geht dann weiter bis zur Haustechnik und unter Umständen auch zur Adaptierung im Sinne pädagogisch wertvollerer Grundrisse, sofern das im Projekt möglich ist. Aber bei den alten Gründerzeithäusern aus der Zeit von 1890 bis 1910 ist man da relativ schnell am Limit.
Interviewer: Was uns jetzt sehr interessiert, ist nämlich der Umbau von Gebäuden, die vorher keine Schulgebäude waren, also die Umnutzung von Bestand, und inwiefern das schon in Wien angekommen ist.
Geßner: Wir haben öfter das Thema, dass Objekte mit Anmietungen angefragt werden. Ja, das ist schon ein Thema. Aber es gibt natürlich immer die baurechtliche Thematik, dass es sich um eine Umnutzung handelt. Es muss geprüft werden, ob das Gebäude dann auch für einen Schulbau geeignet ist. Das wird immer hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und Machbarkeit geprüft. Danach wird entschieden, ob man in ein anderes Objekt hineingeht.
Ollinger: Also ja, Umnutzungen finden statt. Aber wie gesagt, du hast es ja schon angedeutet: Eine Umnutzung ist eine Widmungsänderung. Das heißt, es ist eine komplette Neueinreichung erforderlich. Man muss das Gebäude auf den Stand der Technik bringen, unter Berücksichtigung des aktuell geltenden Baurechts, der OIB-Richtlinien, diverser Normen und so weiter. Da stoßen wir dann oft auch an unsere Grenzen.
Aber es findet immer wieder statt. Zum Beispiel haben wir vor Kurzem ein Objekt angemietet und 21 Klassen untergebracht. Das ist wunderbar. Das war vorher ein Bürogebäude und wir können es in diesem Fall wunderbar nutzen. Also das Thema ist angekommen und wird auch umgesetzt. Es ist auch so, dass wir selbst schon Liegenschaften angekauft haben, auch andere Objekte, und diese umgebaut haben. Also ja, es findet statt.
Interviewer: Okay. Weil ich jetzt die Frage habe: Aber es ist jetzt noch keine gleichwertige Option zum Neubau? Also dass man sagt, das ist jetzt eher die Ausweichmöglichkeit, wenn man nicht neu bauen kann?
Ollinger: Ich würde es schon so bezeichnen, aus einem einfachen Grund: Wenn ich die alten Gründerzeitschulen von 1890 bis 1910 betrachte, da hat sich in der Pädagogik wahnsinnig viel getan. Es sind über 110, 120 Jahre vergangen, und somit arbeiten wir mit komplett anderen, neuen Raumstrukturen. Diese kann ich in einem Neubau wunderbar umsetzen, hinsichtlich Spannweiten und Tragkraft. Die pädagogischen Konzepte kann ich im Neubau problemlos umsetzen. Da haben wir ein Raum- und Funktionsprogramm, das in einen Wettbewerb geht, juriert wird, und der Sieger wird dann umgesetzt.
Geßner: Zur Frage in Richtung Sanierung von bestehenden Schulen oder zur Neuschaffung von Schulraum in anderen Gebäuden?
Interviewer: Genau. Das wäre in Richtung Umnutzung von Bestandsgebäuden, die vorher nicht die Widmung Schule hatten.
Geßner: Ja, das wird immer wieder geprüft. Es finden auch immer wieder Adaptionen statt. Aber es wird geprüft und dann entschieden, inwieweit das machbar ist.
Ollinger: Der Punkt ist halt, dass man bei der Wirtschaftlichkeit oft sehr schnell an die Grenzen stößt. Ich glaube, es geht um die 500 Kilonewton für Schulgebäude hinsichtlich der Deckentragkraft.
Geßner: Es geht ja auch oft um den Ankauf von Immobilien und so, ob das dann überhaupt machbar ist und so weiter. Da spielen dann andere Themen hinein.
Ollinger: Die Preise am Immobilienmarkt sind, sage ich jetzt mal, ziemlich überhitzt. Das heißt, ein bestehendes Objekt anzukaufen ist schon nicht günstig. Und wenn ich dann wirklich ein Bürogebäude zu einem Schulbau adaptieren will, dann habe ich viele Themen. Wir haben eine erhöhte Deckenlast, wir brauchen eine erhöhte Deckentragkraft. Und wenn du beim Gebäude anfangen musst, alle Decken zu verstärken, dann kommst du sehr schnell an die wirtschaftlichen Grenzen. Zudem hast du aber vorerst noch immer einen Grundriss, der für ein Büro geeignet ist. Das ist auch von den Tragtiefen her in Wahrheit ein Problem. Unsere Bildungsräume sind um die 70 Quadratmeter groß.
Geßner: Geschosshöhen….
Ollinger: Ja. Das heißt, 9 mal 8 Meter, das sind annähernd quadratische Grundrisse. Diese Spannweiten hast du im Bürobau nicht. Da kannst du dir weiterhelfen, wenn du das Glück hast, dass es ein Skelettbau ist, dann kannst du es zumindest anpassen. Aber dann kann es sein, dass das Skelett, sprich eine Säule oder eine Stütze, mitten im Klassenraum steht. Und andere Geschosshöhen haben wir auch.
Geßner: Und was baurechtlich immer der Hintergrund ist: Es ist leichter, ein Schulgebäude umzunutzen, das schon baurechtlich ein Schulgebäude ist. Das ist dann keine Umnutzung im Sinne der Bauordnung. Das heißt, ich kann mit einer baulichen Änderung agieren und muss nicht vollumfänglich die OIB-Richtlinien erfüllen. Bei einer Nutzungsänderung schaut es anders aus. Das wird baurechtlich wie ein Neubau behandelt und entsprechend erhält man dann die Auflagen. Das ist ein Aspekt, der immer mitschlägt.
Bei Gebäuden aus den 70er-Jahren ist dann immer das Thema der bestehenden Substanz präsent, Stichwort Asbest oder was da alles vorkommen kann. Es ist ein Zusammenspiel aus allen Themen.
Ollinger: Richtig. Und das macht eine Adaptierung oft relativ schnell wirtschaftlich nicht mehr gut darstellbar. Dann brauche ich zudem relativ große Einheiten für den Bildungsbau, speziell für Schulen.
Interviewer: Genau. Okay. Weil wir jetzt hören, dass das Wirtschaftliche wahrscheinlich das Vorreitende ist. Und ich meine, wir sind jetzt in einer Zeit, in der das Ökologische auch immer wichtiger wird. Welche Rolle spielt da das Nachhaltigkeitskriterium bei der Entscheidung zwischen Neubau und Umnutzung? Oder ist das überhaupt noch gar kein Thema?
Ollinger: Das Thema ist schon da. Wenn wir Bestandsgebäude ankaufen, dann werden wir sie in der Regel auch für Schulgebäude sanieren. Ich habe noch keinen Fall gehabt, in dem wir eine Liegenschaft mit Gebäude ankaufen und das Gebäude dann abbrechen. Das haben wir noch nicht gehabt. In der Regel findet dann schon eine Adaptierung statt. Also das Thema ist dem Grunde nach da.
Aber auf der anderen Seite, wenn du dir anschaust, was sich seit dem Sommer zum Thema Budget in der öffentlichen Hand abspielt, also Bund, Länder oder Kommunen, dann drängt sich das wirtschaftliche Thema wieder ziemlich stark in den Vordergrund. Die Gelder werden knapp, sehr knapp. Das kriegt jeder in den Medien mit. Ich möchte gar nicht auf Detailzahlen eingehen, aber man braucht nur die Zeitungen aufzuschlagen. Diese Woche hat der Fiskalrat wieder gewarnt, dass die Prognosen vom Finanzministerium viel zu optimistisch sind und wir viel mehr sparen müssen. Es fehlt hinten und vorne das Geld. Die Notwendigkeit für zusätzliche ökologische Gedanken wäre gut, ja.
Interviewer: Also wenn man diesen Faktor Wirtschaftlichkeit beiseite schieben würde: Welche räumlichen und baulichen Mindestanforderungen müsste ein Bestandsgebäude aus Ihrer Sicht erfüllen, um überhaupt als Schulstandort infrage zu kommen? Beziehungsweise gibt es vom Magistrat Kategorien oder Kriterien, die erfüllt sein müssen?
Ollinger: Wir haben grundsätzlich Vorgaben, wie unsere Schulen auszusehen haben. Da gibt es die Raumbücher und die Raumblätter. Die sind übrigens öffentlich einsehbar auf der Homepage der MA 34. Da kann man hineinschauen. Da sind Qualitätskriterien enthalten, die man auch aus den Wettbewerben, die wir durchführen, herauslesen kann. Das ist in der Auslobung für den Wettbewerb ganz genau dargelegt: das Raum- und Funktionsprogramm mit der Größe der Räume und auch die zu verwendenden Materialien. Raumbuch und Raumblatt sind überall dargestellt. Es gibt einen Katalog und der ist dem Grunde nach einzuhalten. Ausnahmen können wir immer machen, aber die Idee muss halt besser sein als das, was wir erfunden haben.
Geßner: Und da ist es egal, ob Bestand oder Neubau. Das gibt es für alles.
Ollinger: Natürlich wirst du im Bestand das Raumbuch und die Raumblätter nicht zu 100 Prozent umsetzen können. Da wirst du dich dem Standard nur annähern können. Im Neubau kann man es relativ einfach zur Gänze berücksichtigen.
Interviewer: Okay. Wir haben auch schon ein Interview mit dem Architekturbüro Franz und Sue über die Schule Gersthof geführt. Die ja im Endeffekt jetzt in Wien eine Modellschule für diese Umnutzung darstellt. Kompliment an die Kolleginnen von Franz und Sue und von der BIG. Ich kenne das Haus, das ist wirklich großartig geworden. Wir haben auch darüber gesprochen, dass der Bestand diese Kriterien oft nicht zur Gänze erfüllen kann und dass man sich in diesem Aspekt ein bisschen auf den Bestand einlassen muss und vielleicht nicht immer diese pädagogischen Konzepte punktgenau trifft. Ist das Ihrer Meinung nach auch etwas, das zu guten Lösungen führen kann, oder ist das eher etwas Schwierigeres?
Ollinger: Ich denke, dass es trotzdem zu guten Lösungen führen kann. Jede Sanierung eines Bestands ist ein bisschen ein Kompromiss. Denn auch wenn ich die eigenen alten Schulen saniere, ist es sehr schwer, einen pädagogisch wertvollen Grundriss hineinzubringen. Dann ist es halt ein Kompromiss. Die Frage ist: Wie weit geht man, wie weit kann man gehen? Das entscheidet sich von Einzelobjekt zu Einzelobjekt. Da würde ich keinen generellen Maßstab anlegen.
Geßner: Ich glaube, den gibt es nicht wirklich. Im Bestand zu planen ist einfach ein anderer Planansatz als einen Neubau zu planen, egal ob das eine bestehende Schule ist oder ein anderes Bestandsobjekt. Grundsätzlich muss ich im Bestand immer schauen: Wie kann ich mich dem Standard annähern? Oder wie kann ich Dinge anders denken, damit sie funktionieren? Das ist im Bestand immer das Thema. Ich muss mit dem Vorhandenen umgehen. Das sehe ich grundsätzlich so.
Oft werden Studien durchgeführt, um zu untersuchen, was der Bestand hergibt. Diese Voruntersuchung, was kann das Gebäude leisten, erfüllt es die Größenordnungen und die groben Rahmenbedingungen, macht man im Vorfeld.
Interviewer: Okay. Das heißt, es gibt da in gewisser Weise einen Kriterienkatalog, der vorgefertigt ist.
Ollinger: Vorgefertigt würde ich nicht sagen. Wir haben im Prinzip das Ziel aus dem Neubau vor Augen, wo wir hinwollen, und dann muss man es sich in der Einzelbetrachtung anschauen. Das machen nicht nur wir, sondern da holen wir auch die Pädagoginnen der Bildungsdirektion für Wien dazu. Wie weit kann man einen Kompromiss eingehen? Ab wann ist es noch ein guter Grundriss, mit dem man vernünftig pädagogisch arbeiten kann? Ich glaube, das ist immer eine Einzelfallbetrachtung.
Interviewer: Welche Parameter gelten aus Ihrer Sicht als nicht verhandelbar und wo gibt es realistische Spielräume? Was muss es unbedingt haben?
Ollinger: Das ist ganz schwer.
Geßner: Ich weiß gar nicht, es ist so komplex, dass man das fast nicht pauschal sagen kann.
Ollinger: Meistens definiert sich eine Klassenanzahl, die untergebracht werden muss, von vornherein. Wie beginnt überhaupt der Wunsch nach einem neuen Standort? Egal ob Neubau oder Adaptierung eines Gebäudes mit anderer Nutzung. Zuallererst haben wir in einem Gebiet einen Bedarf. Der ergibt sich aus der Wohnbevölkerung und dem Bevölkerungswachstum. Das spüren wir nicht nur in den Stadtentwicklungsgebieten, sondern auch in den Bestandsgebieten in Wien. In den Bestandsgrätzeln gibt es zum Teil eine sehr starke Nachverdichtung und das spüren wir beim Schulraum.
Das Erste ist daher eine Analyse. Da werden die Zahlen von der MA 18 zur Bevölkerungsentwicklung, von der MA 23 und von Statistik Austria herangezogen. Dann gibt es einen Bedarf, Hausnummer jetzt: 13 Klassen Volksschule. Und dann muss man natürlich suchen, um etwas zu finden, das diesen Bedarf mehr oder weniger annähernd abdeckt. Das ist der erste Punkt.
Wenn ich dann ein Objekt habe, kann ich mir theoretisch vieles so herrichten, dass es passt. Die Frage ist nur: Wie groß ist der wirtschaftliche Aufwand? Wir agieren letztlich mit Steuergeldern als öffentliche Hand und da müssen wir darauf achten. Das können wir nicht zur Gänze vernachlässigen. Ein Thema ist zum Beispiel die Deckentragkraft, wenn diese nicht passt. Ein Bürogebäude entspricht normalerweise nicht dem, was wir für eine Schule benötigen. Wenn wir komplett neu einrichten, ist das ein Riesenthema.
Ebenso die Fluchtwege. Da gibt es eine eigene Richtlinie zum Thema Brandschutz, eine Richtlinie der Kompetenzstelle Brandschutz MA 37 auf der Homepage. Das ist umzusetzen, das gilt. Da gibt es gesetzliche Rahmenbedingungen, die schwierig sind. Bei Bestandsgebäuden kommt es häufig vor, dass wir Außenstiegenhäuser oder Außenwartebereiche mit einem Lift dazusetzen, um im Brandfall evakuieren zu können. Da wird es dann relativ kompliziert.
Interviewer: Ja.
Geßner: Es gibt auch Standorte wie die Wiedner Hauptstraße, wo man sich doch dazu entschieden hat. Das war eine Bestandsschule aus den 50er-Jahren. Bauten aus den 50er- und 60er-Jahren sind meist sehr weitläufig und eher niedrig gebaut, teilweise auf recht großen Grundstücken. Sie sind sehr flächig; man tut sich teilweise schwer, gute Lösungen zusammenzubringen. Die Substanz aus den 50er-Jahren war in diesem Fall ohnehin schwierig. Man hat sich irgendwann dazu entschieden, das Gebäude abzubrechen und das Grundstück mit einem Neubau wesentlich besser auszunutzen, was ja auch eine Nachhaltigkeitsthematik ist, Stichwort Ausnutzung und Nachverdichtung. Das ist auch ein Argument, dass man manchmal sagt: Ich reiße ab und baue neu, um kompakter und besser mehr auf diesem Grundstück unterzubringen. Die BAfEP ist auch so ein Thema, ein Neubau. Die Aufstockung eines Bestandsgebäudes ist meistens schwierig, da stößt man statisch schnell an Grenzen. Das sind Aspekte, bei denen man entscheiden muss, was die sinnvollste Lösung für einen Standort ist, wenn man nachverdichten will, da diese Gebäude teilweise sehr flächig sind. Die Zielrichtung ist immer, dass man einen Bedarf benennt: Was will ich am Standort unterbringen? Dann erhält man ein Raum- und Funktionsprogramm, das den Standard eines Neubaus festhält. Das versucht man dann auf die Situation umzulegen. Das ist ein Prozess, bei dem man sich immer wieder abstimmt: Wie kann ich es lösen? Wo kann ich Abstriche machen? Wo kann ich den Inhalt funktional anders abbilden? Wir diskutieren das immer. Die Schwarzingergasse war ein gutes Beispiel mit einer schwierigen Grundstückssituation im zweiten Bezirk. Dort haben wir vier Einzelklassen in einer ganz schmalen Baulücke übereinander gestapelt. Solche Situationen gibt es immer, egal ob Neubau oder Bestand. Man muss sich den Gegebenheiten anpassen.
Ollinger: Der Immobilienmarkt ist auch ganz schwierig. Die Preise, die da verlangt werden, und das, was die Stadt Wien zahlen kann oder bereit ist zu zahlen, da differieren wir teilweise um den Faktor 10 zu den Vorstellungen des Immobilienmarktes. Deswegen ist es mehrheitlich weiterhin das Ziel, auf eigenen Grundstücken nachzuverdichten. Das Ausnutzen der eigenen Immobilien ist vordringlich.
Interviewer: Das heißt, der Ankauf von Bestandsgebäuden ist wirtschaftlich einfach nicht rentabel?
Ollinger: In manchen Fällen schon, aber meist sind die Vorstellungen der Immobilienbranche so hoch, dass die Stadt Wien nicht mithält. Da scheidet es dem Grunde nach aus. Wenn ein marodes Bürogebäude das Fünffache dessen kostet, was die Stadt Wien zu zahlen bereit ist, und man dann noch voll in den Umbau investieren muss, ist das wirtschaftlich nicht darstellbar.
Immer dann, wenn es eine Nutzungsänderung gibt und somit eine Neueinreichung bei der Baupolizei erfolgt, wird der Stand der Technik schlagend. Darauf muss ich dann sanieren. Bleibe ich innerhalb einer Nutzung, wenn das Gebäude zum Beispiel schon einmal eine Schule war und eine Schulwidmung hatte, tue ich mir relativ leicht. Dann kann ich mich zum Teil auf den Konsens berufen. Wir haben zum Beispiel im 10. Bezirk ein Objekt, das früher eine Privatschule war. Die haben den Betrieb eingestellt. Die Eigentümerin hat es uns als Schule angeboten. Das wird derzeit geringfügig adaptiert, damit es für unsere Zwecke passt, und dann bespielen wir das als Schule. Solche Fälle gibt es auch.
Geßner: Welches ist das?
Ollinger: Das ist das Waldkloster in der Quellenstraße. Am Florido Tower machen wir es auch. Dort hat die Privatschule beziehungsweise konfessionelle Schule den Betrieb eingestellt. Es war eine Schule, und dadurch konnten wir auf dem baurechtlichen Konsens Schule aufbauen. Dann ist es relativ einfach.
Interviewer: Das heißt, der springende Punkt ist: Was war die vorherige Nutzung?
Ollinger: Richtig. Die Änderung der Raumwidmung ist ein großes Thema.
Geßner: Und die Frage, wie viele Maßnahmen erforderlich sind. Das ist wieder das Wirtschaftlichkeitsthema. Was muss ich tun?
Interviewer: Von welchen Maßnahmen spricht man dann, die bei einer Schulumwidmung infrage kommen würden? Was muss erfüllt werden, wenn das Gebäude davor keine Schule war?
Ollinger: Erstens ist es die Statik, die meistens nicht ausreicht, und der Brandschutz mit den Fluchtwegen. Das sind zwei große Themen.
Geßner: Die Nutzlasten. Ein Bildungsbau hat höhere Nutzlastannahmen pro Quadratmeter als ein Bürobau. Er hat in der Regel auch höhere Geschosshöhen. Stiegenbreiten sind ein Thema. Im Bildungsbau haben wir zwei bauliche Fluchtwege. Die Raumstrukturen an sich, also Tragtiefen und Raumgrößen, sind ebenfalls entscheidend. Wenn es vorher schon ein Bildungsbau war, passen die Grundstrukturen meistens besser. Dadurch tut man sich insgesamt leichter. Das sind die Hauptaspekte.
Ollinger: Dazu kommt, dass die Personendichte in Schulgebäuden deutlich höher ist als in Bürogebäuden. Deshalb reicht die Breite der Fluchtwege meistens nicht aus. Auch die zwei baulichen Fluchtwege schaffen andere Rahmenbedingungen hinsichtlich Personenanzahl und Erfordernissen an die Fluchtwege. Zwei bauliche Fluchtwege sind verpflichtend. Der Rettungsweg, sprich das Anleitern durch die Feuerwehr, ist im Bildungsbau nicht gestattet.
Interviewer: Gab es das Gesetz mit diesen zwei Fluchtwegen früher auch schon? Wenn das früher schon ein Schulbau war, musste man das dann dazubauen oder adaptieren?
Geßner: Nein, das gibt es so erst seit 2013. Man muss dann oft Fluchtstiegen auch bei Bestandsschulen dazubauen. Man sieht es auch bei der Universität Wien am NIG, wo die Fluchtstiegen außen ergänzt wurden.
Ollinger: Genau, beim neuen Institut hinten Richtung NIG.
Interviewer: Ja, das habe ich gesehen. Die haben dort diesen Stahlkoloss mit den Stahlstiegen aufgestellt.
Geßner: Das ist die gleiche Thematik. Der Fluchtweg muss nachgeführt oder ergänzt werden.
Interviewer: Franz und Sue haben das auch erzählt, ich habe es vergessen. Genau.
Ollinger: Im innerstädtischen Bereich, wo die Grundstücke oft einen sehr hohen Ausnutzungsgrad haben, ist das ganz schwer. Ein weiterer Punkt: Bürogebäude werden uns immer wieder angeboten, aber speziell in zentrumsnahen Gegenden steht meistens kein Freiraum für die Kinder zur Verfügung. Wenn ein Gebäude im 5., 6. oder 7. Bezirk als Büro- oder Geschäftsgebäude aufgelöst wird, gibt es dort meist keine Freiflächen.
Geßner: Und keine Turnsäle. Das ist der nächste Punkt. Das ist jetzt auch im 10. Bezirk ein Thema: Man bekommt zwar das Gebäude, kann aber dort keinen Turnsaal zur Verfügung stellen, der dann woanders gebaut werden müsste. Diese Raumstrukturen gibt es im Bestand meistens nicht. Ein Norm-Turnsaal im Neubau hat 405 Quadratmeter und eine lichte Raumhöhe von mindestens fünf Metern. Das lässt sich im Bestand eines Bürogebäudes kaum herstellen. Man müsste meistens zubauen oder woanders einziehen.
Ollinger: Die kleinere Alternative ist der Gymnastiksaal mit 200 Quadratmetern. Aber auch so einen Raum mit mindestens vier Metern lichter Höhe hat man meistens nicht. Das baulich in einem Bestandsgebäude zu schaffen ist sehr schwer. Man stößt schnell an die Grenzen der Machbarkeit.
Interviewer: In Gersthof hatten sie ja Glück mit dem großen Park, wo Anbauten leicht möglich waren.
Ollinger: Richtig. Dort haben sie den Turnsaal dahinter gesetzt und eingegraben.
Geßner: Man muss so etwas meistens zubauen oder in der Nähe unterbringen, wenn es innerstädtisch sehr dicht ist. Eine Schule braucht solche funktionalen Anforderungen. Auch die Ausspeisung, also Speisesaal und Küche für Ganztagsschulen, ist ein Thema. Der Sportbereich ist ein ganz großes Thema.
Ollinger: Im 10. Bezirk haben wir ein Projekt in einem ehemaligen Kindergarten. Die MA 10 nutzt ihn nicht mehr und wir adaptieren ihn für die Schule. Der Vorteil ist: Sowohl Kindergarten als auch Schule sind Bildungsräume. Wir sind nicht weit von der ursprünglichen Nutzung entfernt. Jetzt suchen wir dort in der Nähe nach einer Möglichkeit für einen Turnsaal. Wir suchen und suchen.
Geßner: Das Gebäude ist in einen Gemeindebau-Block aus den 30er-Jahren integriert und hat nur einen kleinen Hinterhof.
Ollinger: Genau, mit einem kleinen Hinterhof und ohne Turnsaal. Das sind dann Abstriche. In dem Fall adaptieren wir, weil das Gebäude ohnehin der Stadt Wien gehört und wir die Liegenschaft nicht ankaufen mussten. Aber wir suchen noch immer einen Platz für einen Turnsaal. Dauerhaft geht es nicht ohne.
Geßner: Beim Florido Tower habt ihr das gleiche Thema.
Ollinger: Ja, beim Florido Tower im 21. Bezirk. Nicht im Turm selbst, sondern davor an der Floridsdorfer Hauptstraße steht ein flacherer, sechsgeschossiger Vorbau. Das ist ebenfalls ein Bürogebäude, das wir jetzt adaptieren. Um dort 20 Klassen und eine Sportmöglichkeit unterzubringen, nutzen wir auf der anderen Straßenseite das ehemalige Pumpwerk der MA 31. Der vordere Bereich ist denkmalgeschützt, der hintere Bereich war ein Fuhrpark der MA 48. Die ziehen aus, die Garagen kommen weg, und dort errichten wir unseren neuen Turnsaal.
Geßner: In dem Tower-Vorbau war früher eine Krankenschwesternschule des AKH. Damit haben wir die Widmung Bildungsraum und müssen nicht viel adaptieren.
Geßner: Das heißt, gerade im städtischen Gebiet, wo es platztechnisch schwierig wird, ist das ein problematisches Thema.
Ollinger: Richtig. In Gebieten außerhalb, wie in der Seestadt Aspern oder in klassischen Stadtentwicklungsgebieten wie Nordbahnhof, Nordwestbahnhof oder Hauptbahnhof, wird alles neu entwickelt. Da gibt es kaum nutzbaren Altbestand.
Am Nordwestbahnhof bleiben vielleicht zwei Lagerhallen stehen, aber es ist schwer, diese mit einer guten Nutzung zu belegen. Oder im Neuen Landgut oben in Favoriten: Die Gösserhalle und eine zweite Halle bleiben stehen und werden umgenutzt. In der Gösserhalle ist jetzt Gastronomie im Erdgeschoss. Wir haben uns die Halle auch angeschaut, aber die Tragkraft war nicht ausreichend und sie war grundsätzlich viel zu klein. Ein weiterer Punkt: Dort gibt es wunderschöne Gusseisensäulen, die wir aus Brandschutzgründen F90 ummanteln müssten. Am Ende bliebe ein massiver Gipskartonblock übrig und von der schlanken Gusseisensäule würde man nichts mehr erkennen.
Geßner: Wir haben uns auch die ehemalige Sackfabrik in Atzgersdorf angeschaut, das jetzige Soravia-Projekt. Wir haben den Campus daneben neu gebaut. Wir haben uns bemüht, aber man kommt schnell an Grenzen, wo es wirtschaftlich nicht mehr darstellbar ist, aus einer Sackfabrik eine Schule zu machen.
In der Seestadt wird gerade eine neue Zentralberufsschule gebaut. Dort werden bestehende, innerstädtische Berufsschulen zusammengefasst. Die freiwerdenden Bestandsobjekte in der Stadt, teilweise Gründerzeitbauten, werden zu Pflichtschulen adaptiert. Da Pflichtschulen ein kleineres Einzugsgebiet haben, macht das Sinn.
Ollinger: Aber auch da adaptieren wir Schule zu Schule, was wesentlich einfacher ist. Das ist die bessere Strategie, als extern Bürogebäude in einem überhitzten Markt anzukaufen und diese wirtschaftlich kaum darstellbar umzunutzen.
Interviewer: Und bei Objekten wie den Hallen am Nordwestbahnhof scheitert es dann daran, dass der ökologische Faktor gegenüber der sozialen Nachhaltigkeit und dem Schulprogramm noch nicht die nötige Gewichtung hat?
Geßner: Das ist ein Thema. Diese städtebaulichen Konzepte bestehen oft schon seit 15 Jahren und wurden immer wieder überarbeitet. Diese Hallen sind nun Baufeldern zugeordnet, die von Bauträgern entwickelt werden.
Ollinger: Bei Neubauten berücksichtigen wir Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft mittlerweile stark. Bei Wettbewerben ziehen wir Spezialisten für Nachhaltigkeit hinzu, die uns schon bei der Vorprüfung und in der Jury beraten. Das ist inzwischen Stand der Technik.
Geßner: Nachhaltigkeit passiert auf vielen Ebenen. Neben dem Klimaschutz müssen wir Materialeinsatz und Rückbau abwägen. Gebäude vor 1945 darf man ohnehin nicht mehr so leicht abbrechen. In Flächenwidmungen sind mittlerweile Fassaden- und Dachbegrünungen sowie Entsiegelungsgrade vorgeschrieben. Auch alternative Energiekonzepte wie Geothermie sind bei Neubauten Standard. Wir bohren Sonden in Tiefen von 120 bis 150 Metern und nutzen Wärmepumpen sowie Bauteilaktivierung zum Heizen und Kühlen. Solche technischen Möglichkeiten in einen Bestand zu integrieren ist technisch nahezu unmöglich, unabhängig von der Wirtschaftlichkeit.
Gründächer sind mittlerweile selbstverständlich. 2014 mussten wir beim Projekt Atemsgasse noch darüber diskutieren, heute ist das kein Thema mehr. Flachdächer werden intensiv begrünt.
Ollinger: Damals hieß es noch, ein Schotter- oder Blechdach sei viel günstiger. Wir mussten um das Gründach kämpfen. Heute schauen wir uns Themen wie CO₂-reduzierten Zement und Ökobilanzen an. In Wien wird gerade ein Zirkularitätsfaktor entwickelt. Es tut sich viel in Richtung Kreislaufwirtschaft, auch wenn vieles noch nicht greifbar ist.
Interviewer: Das heißt, dieser ökologische Aspekt kommt gerade erst richtig auf.
Ollinger: Es wird zunehmend gesetzlich verpflichtend. Wenn es vorgeschrieben ist, erübrigen sich Diskussionen. Es gibt auch die EU-Taxonomie, die im Finanzbereich schon greift und langsam auch den Bau erreicht. Da geht es darum, Vorgaben umzusetzen. Der Baumarkt spielt dabei eine große Rolle. Material wie Lehmbauplatten ist für den Bildungsbau oft noch nicht in den benötigten Mengen oder zu tragbaren Kosten verfügbar.
Geßner: Da bewegt sich viel, auch beim Recycling von Beton oder Gipskarton, damit Materialien in Zukunft rückbaubar sind.
Interviewer: Das ist ja der Grund, warum wir uns mit dem Thema Umbau beschäftigen, die graue Energie in den Gebäuden. Franz und Sue meinten, die größte Errungenschaft sei der Erhalt des Rohbaus, auch wenn Deckenverstärkungen etwas mehr kosten. Glauben Sie, dass man in Zukunft mehr Geld für diesen ökologischen Aspekt ausgeben wird?
Ollinger: Wenn man will, dass es passiert, muss man es gesetzlich festschreiben. Auf Freiwilligkeit glaube ich nicht. Man sieht es am Beispiel der Autoindustrie und dem Verbrenner-Aus. Gesetze werden oft zugunsten der Wirtschaft und zulasten der Ökologie wieder geändert. Wenn man Veränderung will, muss sie ins Gesetz.
Geßner: Das ist der Hintergrund der Entwicklung des Zirkularitätsfaktors und der kommenden OIB 7. Man verlangt eine Lebenszyklusbetrachtung, die auch den Betrieb und den Rückbau umfasst. Mit solchen Bewertungsmethoden kann man Materialien, die in der Errichtung mehr kosten, über den Gesamtlebenszyklus besser argumentieren. Es hat sich viel getan, aber vordergründig zählen oft noch immer die Errichtungskosten.
Ollinger: Lebenszykluskosten berechnen wir schon seit längerer Zeit.
Geßner: Aber oft nur für den Betrieb. Rückbaubarkeit und Reuse, also die Wiederverwendung von Materialien, ist ein neuer Aspekt. Es fehlen noch Systeme zur Lagerung und Logistik. Ideal wären Materiallager für ganz Wien, wo man benötigte Bauteile wie Zargen einfach abholen könnte. In der Schweiz gibt es so etwas schon. Das ist zertifizierungstechnisch und organisatorisch nicht ohne. Ein verbindlicher Zirkularitätsfaktor ist ein erster großer Schritt.
Interviewer: Wir haben mit dem ÖISS über die Gewichtung der drei Säulen der Nachhaltigkeit, sozial, ökonomisch und ökologisch, gesprochen. Es ist extrem schwierig, da es keine einheitliche Bewertungsskala gibt. Ab wann zahlt es sich aus? Das ist derzeit noch eine individuelle Betrachtungsweise.
Geßner: Solange es keine Bewertungsmethoden über die Errichtungskosten hinaus gibt, wird man immer darauf zurückfallen, weil anderes nicht greifbar oder vergleichbar ist. Der Betrieb über 50 bis 70 Jahre kostet ein Vielfaches der Errichtungskosten.
Ollinger: Das ist das Problem. Man steckt im Betrieb über die Jahrzehnte wesentlich mehr Geld in ein Gebäude als in den Erstinvest.
Geßner: In Zukunft werden auch Personalkosten und Automatisierung wichtige Themen. Wir planen Neubauten mittlerweile mit BIM und entwickeln Material-Gebäude-Pässe für die Kreislaufwirtschaft. Die Herausforderung ist, diese Daten in den Betrieb zu übernehmen. Wir tasten uns da vor. Wir legen Tragstrukturen bei Neubauten mittlerweile auf 100 Jahre aus. Bei der Haustechnik oder den Fassaden sind die Austauschzyklen kürzer. Wir achten auf Trennbarkeit der Materialien. Klassische Wärmedämmverbundsysteme mit verklebtem Styropor vermeiden wir mittlerweile.
Ollinger: Wir bevorzugen rückbaubare Systeme, wie etwa Folien statt Bitumen auf Dächern, und schauen uns die wirtschaftliche Machbarkeit an. Auch vorgehängte Fassaden sind ein Thema, wobei man das Gebäude natürlich dennoch winddicht bekommen muss.
Interviewer: Ich würde gerne noch einmal auf das Problem zurückkommen, dass beim Umbau oft der Platz fehlt. Das ÖISS nannte das Konzept, Funktionen nicht in einem Gebäude, sondern in einem Block beziehungsweise Grätzel zu denken. Wie stehen Sie dazu?
Ollinger: Darüber haben wir schon vor über 10 Jahren nachgedacht, Stichwort Sockel-BiB, Bildung im Bau. Theoretisch ist es machbar, Funktionen über verschiedene Räume in einem Block zu verteilen. Ob es pädagogisch wertvoll ist, weiß ich nicht. Es ist vor allem ein riesiges haftungsrechtliches Thema. Mit sechsjährigen Volksschülern das Gebäude zu wechseln dauert eine Viertelstunde, bis alle angezogen sind. Pädagoginnen laufen Sturm, wenn sie nur über die Straße gehen müssen. Die Akzeptanz der Nutzerinnen wäre in so einem Fall nicht gegeben.
Geßner: Im Neubau würden wir das eher nicht vorsehen. Da planen wir Organisationseinheiten, die in sich funktionieren. Kindergärten sind oft in Wohnbauten integriert, aber Schulen sind größere Einheiten.
Ollinger: Man braucht eine gewisse Größe. Unter 12 Klassen macht eine Schule kaum Sinn, da man Nebenräume wie Werkräume, Physik- und Chemiesäle, Turnsäle und Lehrküchen benötigt. Man könnte sich strukturell zwar durch einen Gemeindebau arbeiten, müsste aber in jedem Objekt die Fluchtwegszenarien herstellen. Da stößt man an Grenzen. Und wie gesagt: Die Akzeptanz fehlt. Wenn Kinder für Unterrichtssequenzen die Straße wechseln müssen, wird das medial oft sehr negativ aufgenommen.
Geßner: Im Bestand gibt es solche Strukturen mit Exposituren, bei denen Teile einer Schule organisatorisch in mehreren Objekten untergebracht sind. Aber das im Städtebau neu so anzudenken halte ich für schwierig. In der Praxis funktioniert das kaum.
Interviewer: Das heißt, es wäre eher eine Notlösung für den Bestand?
Geßner: Genau. Wenn eine bestehende Schule Mehrbedarf hat, sucht man in der Nähe Räumlichkeiten, die man adaptiert oder anmietet. Die Sonderfunktionen wie Werken oder Turnen werden dann im Stammgebäude mitgenutzt. Das ist eine Frage der Auslastung und des Stundenplans. Solche Konzepte von vornherein für den Neubau zu planen generiert viel mehr Flächenbedarf und ist aufgrund der Freiflächenthematik schwierig.
Ollinger: Der Verwaltungsaufwand wäre enorm. Man müsste mit vielen verschiedenen Eigentümern Mietverträge abschließen und sicherstellen, dass alle Brandschutzauflagen erfüllt sind. Beim Campus-Modell schalten wir bewusst verschiedene Einheiten zusammen, die Synergien nutzen.
Geßner: Diese Synergien und das pädagogische Zusammenspiel zwischen Kindergarten und verschiedenen Schultypen fördern die soziale Entwicklung und erleichtern den Kindern die Übergänge. Das erfordert jedoch große Bildungseinrichtungen an einem Standort.
Interviewer: Das ist dann eher die soziale Komponente als bauliche Nachhaltigkeit.
Geßner: Es ist auch Flächeneffizienz.
Ollinger: Genau. Wir bauen heute kompakter, meist Erdgeschoss plus vier Obergeschosse, um den Versiegelungsgrad am Grundstück zu reduzieren.
Ollinger: Aber die Frage ist: Könnt ihr mit diesen Antworten etwas anfangen, oder haben wir zu sehr um den heißen Brei geredet?
Interviewer: Nein, da können wir hundertprozentig etwas Gutes herausziehen.
Ollinger: Wir geben das explizit so weiter. Wenn euch noch etwas fehlt, sagt es bitte ganz klar.
Interviewer: Was mich noch interessieren würde: Wenn man wie besprochen über Bestandsgebäude in einem Block denkt, wie es in Wien oft der Fall ist, wäre es eine Option, mehrere Gebäude in einem Block zu verbinden, um mehr Platz für Gemeinschaftsräume wie Turnsäle zu schaffen?
Ollinger: Durchaus eine Option. Zeig mir, wo solche Strukturen verfügbar sind, dann schauen wir es uns an. Theoretisch ist das wunderbar gedacht, aber man muss verfügbare Mietgebäude finden, die zueinander passen.
Interviewer: Das heißt, es wäre nicht ausgeschlossen?
Ollinger: Ich will es nicht ausschließen, aber der Verwaltungsaufwand und die Mietverträge machen es sehr personalintensiv. Es ist nicht begünstigt. In Detroit, wo ganze Stadtteile aufgelassen wurden, könnte man so etwas erproben. Da gibt es massiven Leerstand.
Interviewer: Im Gespräch mit der ÖISS kam auch das Thema Temporärnutzung in Bestandsgebäuden auf. Das wird oft nur im Notfall gemacht, meist wird auf Container zurückgegriffen, weil der Umbau zu teuer sei.
Ollinger: Das stimmt. Der finanzielle Aufwand, um ein Gebäude für eine andere Nutzung auf den Stand der Technik zu bringen, also OIB-Richtlinien, ist so hoch, dass es sich für eine temporäre Nutzung nicht rechnet. Container sind da wesentlich einfacher und schneller machbar.
Geßner: Temporärnutzung klappt meist nur, wenn ein Schulgebäude gerade leer steht oder ein Neubau noch nicht voll ausgelastet ist. Das wird oft als Ausweichquartier während Sanierungsphasen genutzt.
Ollinger: Container können wir innerhalb von neun Monaten aufstellen. Dieses Tempo erreichen wir im Bestand nie. Dort dauert es oft schon länger, einen Baubescheid zu bekommen. Wenn wir geeigneten Leerraum hätten, würden wir keine Container bauen, aber der Bedarf ist aktuell sehr hoch. Wegen der Familienzusammenführung 2024 ist der Bedarf an Schulplätzen stark gestiegen. Da die Schulpflicht binnen 14 Tagen greift, mussten wir schnell reagieren. In zehn Monaten war nur die Containerlösung möglich. Wenn wir ein Haus für eine Schule adaptieren, dann nutzen wir es dauerhaft, nicht nur für fünf Jahre.
Interviewer: In einer niederösterreichischen Gemeinde gab es den Fall, dass Container wegen Lieferschwierigkeiten nicht kamen und die Schule stattdessen ins Ortszentrum umzog, was dieses belebt hat. Das war wohl ein glücklicher Zufall.
Ollinger: Ja, da muss im Ortszentrum auch etwas frei sein. In ländlichen Strukturen, wo Ortskerne oft leer stehen, ist das eher möglich als in einer Metropole wie Wien.
Geßner: Wobei man auch in Wien sieht, dass manche ehemaligen Einkaufsstraßen an Charme verlieren und Leerstände zunehmen.
Interviewer: In Wien ist die Schülerzahl natürlich auch eine ganz andere.
Ollinger: Wir haben in den letzten 10 Jahren über 1.200 neue Klassen eröffnet, im Durchschnitt 120 pro Jahr. Das ist mehr, als das gesamte Burgenland an Pflichtschulklassen hat.
Geßner: Wir haben circa 400 Schulgebäude im Bestand. Das Thema Erhaltung und Adaptierung ist also sehr präsent.
Ollinger: Viele davon sind Gründerzeitbauten mit ihren ganz eigenen technischen Herausforderungen.
Geßner: Und viele Bauten aus den 60er- bis 80er-Jahren.
Interviewer: Was müsste sich institutionell oder gesetzlich in Wien ändern, damit Bestandsumnutzung besser funktioniert? Müsste man die Anforderungen herunterschrauben?
Ollinger: Bei der Sicherheitstechnik wird das nicht passieren. Niemand wird die Verantwortung übernehmen, bei Fluchtwegen oder Traglasten nachzugeben. Wenn die Sicherheitstechnik das Hindernis ist, wird es schwierig.
Geßner: Ja, wahrscheinlich.
Ollinger: Niemand wird die Deckentragkraft in Schulen reduzieren. Die Personendichte ist dort zu hoch. Die Behörden müssen die Gesetze vollziehen.
Geßner: Vielleicht könnte man die Bewertung der Nutzungsänderung im Baurecht anpassen, aber der Fokus auf Sicherheit, Brandschutz und Statik, wird bleiben. Die Richtlinien der MA 37 zum Brandschutz sind da eindeutig. Das ist eine politische Entscheidung.
Interviewer: Dann wird es schwierig.
Ollinger: Ein gesetzlicher Hebel gegen Leerstand könnte helfen, die Preise am Markt zu regulieren und Eigentümer zur Kooperation mit öffentlichen Institutionen zu bewegen. Das ist aber eine persönliche Anmerkung.
Interviewer: Gibt es noch weitere wichtige Aspekte?
Ollinger: Aktuell haben wir das Thema ziemlich breit abgedeckt. Habt ihr noch spezielle Fragen?
Interviewer: Nur noch zum Kontext: Was braucht es rund um ein Schulgebäude? Erreichbarkeit, Freiraum, Lärmschutz?
Ollinger: Freiraum ist essenziell. Wir geben 8 Quadratmeter pro Volksschulkind und 5 Quadratmeter pro Mittelschüler vor. Im Bestand ist das innerstädtisch oft nicht zu halten, im Neubau schon.
Auch die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist wichtig, da wir Elterntaxis vermeiden wollen. Je jünger die Kinder sind, desto eher kommen sie aus dem direkten Umfeld, dem Grätzel.
Lärmschutz ist ebenfalls ein großes Thema. Bei einem Campus im zweiten Bezirk haben wir Freiflächen für die Bevölkerung geöffnet, woraufhin Anrainer auf Unterlassung geklagt haben. Bisher konnten wir uns gerichtlich durchsetzen.
Geßner: Lärm ist in dichten Wohngebieten ein Riesenthema. Nutzungskonflikte sind da vorprogrammiert.
Ollinger: In dichten Gebieten wird das immer strenger. Während Corona wollten Anrainer sogar, dass Kinder im Garten leiser sind, weil sie im Homeoffice arbeiteten.
Geßner: Das Verständnis füreinander ist in sozial dichten Gebieten oft eine Herausforderung.
Interviewer: Habt ihr Erfahrungen mit der Umnutzung anderer Gebäudetypologien außer Bürogebäuden?
Ollinger: Ja, eine Sackfabrik in Atzgersdorf haben wir geprüft.
Interviewer: Das Spital in Gersthof?
Geßner: In der Huglgasse war früher eine Krankenpflegeschule.
Ollinger: Das war aber auch vorher schon eine Schule. Wohnbau wird selten für Schulen aufgegeben. Meistens sind es Bürogebäude. Alles andere sind Einzelfälle.
Geßner: Gewerbeobjekte haben wir kaum.
Ollinger: Wir haben eine Lagerhalle im Neuen Landgut geprüft, aber meistens bleiben es Bürogebäude. Bezüglich der CO₂-Werte: 1.000 PPM sind der Richtwert. Man kann natürlich einfach die Fenster öffnen, das ist ein legitimer Ansatz, den die BIG in ganz Österreich verfolgt. In ländlichen Regionen kann man das eher so handhaben als in Ballungszentren wie Wien, Graz oder Linz.
Interviewer: In Gersthof gibt es ja automatisch kippende Fenster.
Ollinger: Ja, das haben wir ausprobiert. Aber bei Schneegestöber und Kälte gehen die Fenster auf, sobald der Sensor anschlägt. Man ist der Witterung völlig ausgesetzt.
Geßner: In der AHS Wien West funktioniert das wegen der Lage und der Nachtlüftung besser. In anderen Schulen war die Luftqualität oft schlecht, weil die Fenster witterungsbedingt zu blieben.
Ollinger: Eine Fensterautomatik ist im Grunde nur eine motorisierte Lüftung. Wenn sie zu bleibt, steigt der CO₂-Wert auf 1.800 PPM. Mechanische Lüftung garantiert kontinuierliche Qualität. Der Einbau im Bestand ist aber wegen der benötigten Raumhöhen und der Verrohrung fast unmöglich.
Geßner: Wir diskutieren intern oft, welche Qualitäten wir priorisieren wollen.
Ollinger: Wenn wir bauen, halten wir die Standards ein. In der Spielmanngasse haben wir eine schwächere mechanische Anlage mit Fensterlüftung kombiniert. Aber Automatisierung mit Sensoren und Klemmschutz ist teuer und aufwendig. Oft ist es händisch einfacher. Es kommt immer auf den Standort an.
Interviewer: Danke noch einmal für das Interview.
Interview mit Claudia Maria Walther von der Bundesimmobiliengesellschaft
Projekt Schule Gersthof
Interviewer: Können Sie uns vielleicht kurz Ihre Rolle bei diesem Projekt beschreiben? Was genau waren Ihre Aufgaben und was haben Sie vor allem übernommen?
Walther: Ja, ich bin bei der Bundesimmobiliengesellschaft, der BIG, tätig. Die BIG ist einer der größten Immobilieneigentümer Österreichs. Wir verwalten sehr viele Bundesschulen und errichten diese normalerweise im Auftrag der Ministerien. Das vorliegende Projekt wurde von der BIG als Ausweichquartier für eine andere Schule entwickelt, die sich gerade im Umbau befindet. Meine Rolle dabei war das Projektmanagement. Im Projektmanagement kommt eigentlich alles zusammen: zuerst die Vorbereitung, die Voruntersuchungen, die Bedarfserhebung und die Bestandserhebung. Es ging darum zu prüfen, ob sich die Schule, in diesem Fall die Klostergasse, in dem Ausweichquartier unterbringen lässt, während wir das Stammhaus in der Klostergasse umbauen. Wir untersuchen also, ob der Platz ausreicht und ob das Gebäude statisch geeignet ist. Dazu kommen ein finanzielles Konzept, ein zeitliches Konzept und so weiter.
Es handelt sich sozusagen um eine Planungsphase Null, jedoch ohne Partizipation im klassischen Sinn. Das umfasst die Projektvorbereitung und auch ein wenig die Konzeption dessen, was man dort umsetzen kann. In diesem Fall ist es so, dass das Projekt im Laufe der Zeit sehr gewachsen ist. Zu meinen Aufgaben gehörte es dann auch, den Wettbewerb beziehungsweise die Planersuche auszuschreiben. In diesem speziellen Fall haben wir uns jedoch gegen einen Wettbewerb und für ein zweistufiges Verhandlungsverfahren entschieden. Das bedeutet, wir haben die Bauaufgabe zunächst formuliert, ein Raum und Funktionsprogramm erstellt, ein zeitliches Konzept entworfen und ein entsprechendes Budget kalkuliert. Daraufhin haben wir Büros eingeladen, sich zu bewerben, ohne dass diese bereits einen Entwurf vorlegen mussten. Aus diesen Bewerbern haben wir sechs Büros ausgewählt. Es handelt sich um ein zweistufiges, öffentliches Verfahren, das EU weit ausgeschrieben wurde. Die Büros mussten sich mit Referenzen bewerben. Wir haben dabei grob vorgegeben, welcher Art diese Referenzen sein sollten. Aus diesem Pool haben wir sechs Büros für die zweite Stufe eingeladen. In der zweiten Stufe mussten diese Büros einen Entwurf für das Projekt erstellen und diesen anschließend präsentieren.
Ich war dabei Teil der Jury, zusammen mit einer Fachjury und einer Sachjury. Schließlich haben wir das Gewinnerteam ermittelt. Danach bestand die Aufgabe darin, die gesamte Planungsphase mit dem Gewinnerteam zu begleiten, die Behördenwege zu koordinieren und sämtliche Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen. Das Projekt war für die BIG zudem sehr speziell, da es für uns als Modellschule fungiert. Das heißt, wir wollten uns überlegen, wie der Schulbau der Zukunft aussieht. Es mag vielleicht wie ein Widerspruch klingen, dies in einem Bestandsgebäude zu versuchen, die Geschichte des Projekts als Krankenhaus kennen Sie ja vermutlich bereits. Es handelt sich hierbei um eine sogenannte Funktionssanierung. Man saniert das Gebäude und ändert gleichzeitig dessen Nutzung. Das Gebäude weist eine Gang Klassen Struktur auf, ähnlich wie man sie von Gründerzeitschulen kennt. Wir haben uns überlegt: Es klingt zwar nach einem Widerspruch, eine Art Bestandsschule in einen zeitgenössischen Schulbau umzuwandeln, aber da wir sehr viele Bestandsschulen haben, war unser Interesse groß, wie wir in einer solchen Struktur zeitgenössischen Unterricht ermöglichen können. Wir haben uns gefragt, was man tun kann und welches die Hebel sind, an denen man drehen kann. Parallel dazu haben wir uns als Projektmodell mit Fragen beschäftigt wie: Wie gehen wir mit dem Brandschutz um? Wie mit der Nachhaltigkeit? Wie setzen wir Low Tech Konzepte um? Wie gehen wir mit der Möblierung um und so weiter? Ein großes Potenzial dieses Bestands war natürlich die Außenanlage. Es war uns sehr wichtig, diese aktiv in den Schulalltag zu integrieren. Man sieht das hier: Das ist das Bestandsgebäude. Ich würde euch unbedingt empfehlen, es euch anzuschauen. Das Gebäude ist nämlich nicht fotogen. Man muss es wirklich vor Ort sehen. In der Realität wirkt es ganz anders und viel besser als auf den Fotos. Dann haben wir hier diese Villa, die klein aussieht, aber immerhin 700 Quadratmeter umfasst. Zudem gibt es hier zwei Turnhallen. Das gesamte Vorhaben war für uns ein Modellprojekt, das als Campusschule angelegt ist. Das bedeutet, dass sich die Kinder auch bei Temperaturen wie heute frei zwischen den Gebäuden bewegen können. Sie sollen also nicht den ganzen Tag im Gebäude verbringen. Dies haben wir in einer sehr gemeinschaftlichen Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Franz und Sue entwickelt.
Interviewer: Und warum wurde aus Sicht der BIG entschieden, ein Bestandsgebäude umzunutzen, anstatt einen Neubau zu errichten?
Walther: Es war etwas anders: Die BIG hatte das Krankenhaus bereits erworben. Das Ziel, es in eine Schule umzuwandeln, bestand von Anfang an. Das war im Jahr 2020. Es gab zwar die Überlegung, für den Schulbau der Zukunft einen Neubau in Betracht zu ziehen, aber letztlich ist der Bestand einfach die Zukunft. Man muss sich mit dem Bestand auseinandersetzen, und deshalb haben wir dieses Projekt ausgewählt. Das war etwa im Zeitraum 2020 bis 2021. Christian Kühn hat dazu einen sehr schönen Artikel geschrieben.
Interviewer: Das ist unser Professor.
Walther: Was für uns besonders wichtig war, waren der Schulraum der Zukunft, die Nachhaltigkeit und die Digitalisierung. Ich habe von Anfang an das Konzept ausgegeben: Es soll kein perfekt sitzender Handschuh sein, der maßgeschneidert ist, sondern eher ein Fäustling. Das bedeutet: Wir setzen das Notwendige um, bewahren uns aber Flexibilität im Inneren.
Bei einem Fäustling weiß man ja nicht, wie sich die Schule weiterentwickelt und wer in Zukunft in diesem Gebäude sein wird. Das Ziel war zu prüfen, wie flexibel das Gebäude sein kann. Dafür muss es sehr robust sein und eine hohe räumliche Qualität aufweisen.
Ich habe sehr lange Modulargestaltung unterrichtet und mich intensiv mit den unsichtbaren Parametern des Raumes beschäftigt: Belichtung, Beleuchtung, Belüftung, Proportion und Material. Material ist zwar sichtbar, hat aber auch unsichtbare Qualitäten wie Reflexion und so weiter. Dazu kommt die Akustik. Das Ziel war es, robuste Räume mit einer exzellenten Raumqualität zu schaffen, die gleichzeitig sehr flexibel nutzbar sind.
Ein Fäustling passt mehreren Personen, er passt länger und man kann sich im Inneren freier bewegen. Das war das übergeordnete Konzept. Ich finde, das Fäustling Prinzip ist generell ein Konzept für die Architektur. Außer man baut eine Klinik oder ein hochspezialisiertes Labor, muss Architektur so beschaffen sein: Sie steht länger als ein einzelnes Leben, das Leben ändert sich schnell, und die Architektur muss dem standhalten.
Interviewer: Und ich würde sagen, diese Schule war ja bereits ein Erfolg. Würden Sie das seitens der BIG eher als Einzelfall betrachten oder ist das wirklich ein Modell für zukünftige Umnutzungen?
Walther: Zuerst muss man sagen, dass jedes Projekt anders ist und man jedes Vorhaben sehr differenziert betrachten muss. Uns war es jedoch wichtig, kein starres Modell zu errichten. Uns ist bewusst, dass wir es nicht eins zu eins übertragen können. Das war auch nicht das Ziel.
Das Ziel war es vielmehr, einzelne Maßnahmen an anderen Standorten anwendbar zu machen. Deshalb muss alles in einem finanziellen Rahmen bleiben. Ich kann nicht einmalig extrem viel Geld investieren, um etwas zu errichten, das ich danach an anderer Stelle nicht mehr bauen kann.
Es war also der Anspruch, Lehren daraus zu ziehen, zum Beispiel zum Umgang mit der Lüftung, der automatisierten Fensterlüftung, der Nachhaltigkeit, Digitalisierung oder Möblierung. Man kann dabei auch feststellen: So machen wir es nicht mehr, und diese Erkenntnis dann an anderen Standorten anwenden. Man wird das Projekt nicht eins zu eins kopieren, sondern sagen: Dort haben wir es so gelöst, das hat funktioniert. Wenn ich es noch etwas weiterentwickle oder adaptiere, passt es. Es war also ein bewusstes Testen und Andersmachen mit dem Ziel, dies als Innovation für die Zukunft mitzunehmen.
Interviewer: Das heißt, Sie könnten sich auch künftig vorstellen, weitere Projekte dieser Art zu entwickeln?
Walther: Nicht in der Form, dass man spezifisch sagt: Das ist jetzt eine Modellschule, denn es gibt ja immer einen konkreten Auftrag. Aber wir haben natürlich Lehren daraus gezogen, etwa zum Brandschutz. Das findet nun Anwendung. Auch wie man mit automatisierter Fensterlüftung oder dem Außenraum umgeht. Man kann zeigen, dass es funktioniert und dass man den Außenraum aktiv in den Schulalltag integrieren kann. Ein weiterer wichtiger Punkt dieses Modellprojekts ist beispielsweise die Errichtung der zwei Turnhallen. Diese sehen auf den ersten Blick gleich groß aus, aber hier handelt es sich um eine Normturnhalle, während dort drüben nur ein halb so großer Bewegungsraum ist, da dort die Erschließung verläuft.
Interviewer: Hm, okay.
Walther: Siehst du meine Maus?
Interviewer: Ja.
Walther: Eigentlich benötigt eine Schule dieser Größe mit 600 Schülern zwei Normturnhallen. Wir fanden jedoch, dass das für den täglichen Bedarf eigentlich zu viel ist. Deshalb haben wir uns überlegt, nur eine Normturnhalle und einen halb so großen Bewegungsraum zu bauen. Dabei darf es natürlich nicht passieren, dass die Mädchen in den kleinen Raum müssen und die Burschen den großen erhalten. Wir haben daher ein alternatives Sportangebot in den Bewegungsraum integriert. In der Normturnhalle findet der klassische Sport nach Regelschulbetrieb statt. Im Bewegungsraum hingegen gibt es eine Boulderwand, ein Parcours System und eine Pilates Wand. Das ist für beide Geschlechter gleichermaßen attraktiv.
Das ist ein Ansatz, bei dem man sagen kann: Wenn der Platz nicht reicht, macht man es so. Das ist zudem nachhaltiger. Ich baue weniger, muss weniger instand halten, weniger heizen, weniger warten und versiegle weniger Fläche. Man baut also weniger Quadratmeter, kann aber im Grunde das Gleiche tun. Das war uns wichtig. Das ist ein Aspekt, den man vielleicht in ein anderes Projekt übernehmen kann. Auch dass man über den Park gehen muss. Man muss wirklich aus der einen Schule raus, um in die andere hineinzukommen.
Interviewer: Okay.
Walther: Ob man sich nun vornimmt, das exakt so noch einmal zu machen, ist fraglich, da es klare Vorgaben durch den Schulentwicklungsplan der Regierung gibt. Dieser legt fest, welche Schulen wo benötigt werden. Man muss dann im Einzelfall prüfen: Muss man sanieren, erweitern oder neu bauen? Aber man fragt sich: Was habe ich gelernt, was kann ich davon mitnehmen?
Interviewer: Unser Hauptthema ist ja die Umnutzung bestehender Gebäude in Schulgebäude. Bezüglich der räumlichen Voraussetzungen hätten wir die Frage: Welche räumlichen und baulichen Eigenschaften muss ein Bestandsgebäude mitbringen, damit es sich besonders gut für einen Schulbau eignet? Was sind gute Merkmale?
Walther: Das ist schwierig zu sagen. Es ist eine Frage dessen, was man will. Das ist genau das Handschuh Fäustling Prinzip. Ich kann einen Bestand so betrachten, dass ich sage: Das und das funktioniert nicht. Das muss man ohnehin lösen. Ich kann aber auch hergehen und sagen: Ah, das hier funktioniert, und da liegt ein Riesenpotenzial, das nutze ich. Davon ausgehend entwickle ich das Projekt. Wenn ich nur nach einem Bestand suche, in dem ich exakt die Standard Klassengrößen unterbringe, würde man sich sehr stark einschränken. Man wird kaum Gebäude finden, außer vielleicht Krankenhäuser, die bereits über eine schulähnliche Struktur verfügen. Es hängt davon ab, was man will.
Schauen Sie sich die ROSE in Linz von Michael Zinner an, die haben das ganz anders gelöst. Das Projekt heißt ROSE, das können Sie mal googeln. Die Frage ist: Will man davon ausgehen, dass eine Schule zwingend eine Gang Klassen Struktur braucht? Dann wird es schwierig. Wenn man aber sagt, der Bestand ist eben anders, dann wird auch die Schule anders. Was man natürlich immer braucht, ist die Prüfung: Geht sich die Entfluchtung aus? Schaffe ich den Brandschutz? Man muss definitiv investieren, aber es gibt einen Punkt, an dem sich die Investition in ein Gebäude nicht mehr lohnt. Dann ist die Sanierung deutlich teurer als ein Neubau. Aus Nachhaltigkeitsgründen kann es zwar dennoch Sinn ergeben, aber irgendwann kippt es wirtschaftlich. Man muss sich das Gebäude auch statisch genau ansehen. Und natürlich bedarf es einer gewissen Grundgröße, damit sich das Flächenverhältnis, die Organisation und die Investition am Ende auszahlen. Aber was es wirklich braucht, ist schwer zu sagen. Da gab es doch dieses Beispiel in Feldkirchen, diese Fasch und Fuchs Schule in Oberösterreich, kennen Sie die?
Interviewer: Hm hm.
Walther: Dort gibt es eine Schule von Fasch und Fuchs, die eine Volksschule, eine Mittelschule und eine Art Konzertsaal in Feldkirchen oder einem ähnlichen Ort in Oberösterreich umgebaut haben. Normalerweise müssen Schulen während der Bauzeit in ein Containerquartier ausweichen. Zu Beginn der Sommerferien wurde ein Teil der alten Schule abgebrochen und mit den Bauarbeiten begonnen. Dann ist jedoch die Containerfirma in Konkurs gegangen und es gab plötzlich kein Schulgebäude für die Volksschule.
Interviewer: Davon habe ich schon gehört.
Walther: Die Gemeinde hat dann reagiert und gesagt: Okay, wir haben hier ein leeres Straßenlokal eines Elektrikers, wir haben das leere Jungschar Lager, wir haben den Gemeindesaal, den Rotkreuz Saal und so weiter. Die Klassen dieser Schule waren dann über die ganze Stadt verteilt. Die Lehrer waren natürlich in Räumen untergebracht, die ursprünglich nicht als Klassenzimmer konzipiert waren. Aber dadurch konnten sie auch endlich einmal völlig frei unterrichten, da die gewohnte Frontalstruktur nicht vorgegeben war. Dieser andere Raum hat plötzlich eine völlig neue Schulentwicklung ermöglicht.
Es ist also die Frage: Sucht man ein Gebäude, in das man eine Schule hineinpresst, oder sucht man ein Gebäude, das als Institution Schule funktionieren kann und nicht bloß als Raum Schule. Das ist daher schwer zu beantworten. Es hängt vom Schultyp ab und von den Lehrern. Wie innovativ sind diese? Ist es eine neue Schule oder eine bestehende Schulgemeinschaft? Das ist sehr komplex. Natürlich war die Schule froh, als sie fertiggestellt war und sie zurück übersiedeln konnten. Für die Lehrer war es ein enormer Lerneffekt, da sie von den alten Klassenzimmern direkt in eine neue Schule kamen. Dieser Zwischenschritt war unglaublich wertvoll. Wären sie direkt in die neue, offene Schule gekommen, wären sie vermutlich überfordert gewesen. So aber war dieser nicht perfekte Zwischenschritt im Grunde perfekt.
Und die Gemeinde war am Ende wahnsinnig traurig, dass die Schüler nicht mehr so präsent im Stadtalltag waren. Die Kinder waren ja ständig unterwegs. Sie haben hier geturnt, dort war der Hort. Sie waren unglaublich präsent im Alltag der Stadt. Das hat der Stadt im Nachhinein sehr leid getan. Sie hätten es am liebsten so beibehalten. Ich habe auch einmal zusammen mit Christian Kühn unterrichtet. Damals gab es in Ybbs sehr viel Leerstand. Wir haben überlegt, ein Projekt zu machen, bei dem sich die Schule einfach auf den Leerstand aufteilt. Es ist eine Frage der Sichtweise. Ein Bestand kann Potenziale haben, die man nicht sofort mit einer Schule verknüpft, zum Beispiel hier dieser Außenraum. Es hieß oft, Kinder würden nur im Schulhof bleiben, aber man muss sich fragen: Was ist das wahre Potenzial? Und das integriere ich dann.
Interviewer: Gibt es Kriterien, bei denen Sie sagen würden, eine Umnutzung ist nicht sinnvoll, etwa in Bezug auf Kosten oder Aufwand?
Walther: Ja, natürlich. Das sind vor allem die Themen Brandschutz und Statik. Also Brandschutz, Entfluchtung, Statik und die Größe. Es gibt viele Fälle, in denen es sich nicht rentiert, weil es einfach zu teuer wird. Es kann auch sein, dass es sich aufgrund der gesetzlich vorgeschriebenen Raumhöhen nicht ausgeht. Wenn ich einen Bestand funktionssaniere, muss ich ihn baurechtlich wie einen Neubau behandeln.
Interviewer: Das haben wir bereits gehört.
Walther: Aufgrund von Brandschutzmaßnahmen oder statischen Ertüchtigungen kann es mit den Raumhöhen oft problematisch werden. Ein Krankenhaus hat beispielsweise eine Wohnraumnutzung mit sehr geringen Nutzlasten. Eine Schule hingegen benötigt sehr hohe Nutzlasten. Das muss man beachten. Man sollte in der Vorbereitung immer Fachleute hinzuziehen.
Interviewer: Und bezüglich der Balance zwischen Erhalt und Eingriff: Haben Sie als BIG als Auftraggeber mitentschieden, was erhalten bleibt und was neu hinzugefügt wird?
Walther: Immer. Natürlich entscheidet der Auftraggeber auf Basis der Vorschläge. Wir haben uns sehr stark an die Bestandsstruktur gehalten, allerdings nicht an die letzte, sondern an die ursprüngliche. Früher gab es dort große Krankenzimmer, die später in kleine Zweibettzimmer unterteilt wurden. Wir haben diese Unterteilungen entfernt und sind zum ursprünglichen Bestand zurückgekehrt. Da das Gebäude unter vollem Denkmalschutz steht, haben wir ohnehin so wenig wie möglich verändert.
Interviewer: Ein wichtiger Punkt für uns ist die Nachhaltigkeit, da unser Seminar Schulbau und Klimawandel heißt. Welche Rolle spielt die Nachhaltigkeit bei diesem Projekt und aus Sicht der BIG bei künftigen Projekten?
Walther: Das kann man auch auf der Homepage der BIG nachlesen. Die BIG hat sich der Nachhaltigkeit verschrieben. Wir halten die NaBe Kriterien und die EU Taxonomie ein. Wir haben ein eigenes Nachhaltigkeitsprogramm, das Holistic Building Program. Das gesamte Projekt hat klimaaktiv Gold erreicht. Sowohl das Hauptgebäude als auch die beiden Turnhallen haben klimaaktiv Gold. Nachhaltigkeit ist ein wesentlicher Faktor und Projektbestandteil bei der BIG. Wir haben hier untersucht, wie man Ziele mit viel Low Tech erreichen kann. Oft wird High Tech eingesetzt, etwa mechanische Lüftungen. Wir haben hier stattdessen eine automatisierte Fensterlüftung, eine Fensterspaltlüftung, umgesetzt. Das heißt, wir haben keine mechanische Lüftung verbaut, außer in den WCs. Es gibt keine Klimatisierung, außer ganz oben im Mehrzwecksaal für die Matura, damit es dort nicht zu heiß wird.
Es gibt Photovoltaikanlagen, wir betreiben ein umfassendes Produktmanagement, führen Luftgütemessungen durch und achten auf Produktzertifizierungen. Da gibt es sehr strenge Kriterien. Der nachhaltige Aspekt hier ist die Weiternutzung des Bestands und der bereits vorhandenen grauen Energie. Ein weiterer Punkt ist die Turnhalle: Wir haben dort 200 Quadratmeter weniger Fläche neu errichtet, als ursprünglich vorgesehen. Wir haben also weniger gebaut und versiegelt, erzielen aber den gleichen Nutzen. Zudem verfügte das Hauptgebäude über ein Kellergeschoss, das keine Nutzfläche war. Die Architekten haben den Wettbewerb unter anderem deshalb gewonnen, weil sie vorgeschlagen haben, das Gelände abzugraben und aus dem Keller ein Gartengeschoss zu machen. Dadurch haben wir Nettoraumfläche in Nutzfläche umgewandelt. Wir haben also nutzbare Quadratmeter gewonnen, ohne physisch neu anzubauen. Das halten wir für sehr nachhaltig.
Interviewer: Wie wägen Sie ökologische, wirtschaftliche und funktionale Anforderungen gegeneinander ab? Im Sinne von: Wie werden in einem Projekt ökologische Aspekte im Vergleich zu wirtschaftlichen Aspekten gewichtet? Wo liegen die Schnittstellen, wenn es um die Umsetzung im Rahmen des Budgets geht?
Walther: Da das Gebäude baurechtlich wie ein Neubau behandelt wird, gibt es bereits viele gesetzliche Vorgaben und Normen. Hinzu kommen die Vorgaben der EU Taxonomie und des Bundes zur nachhaltigen Beschaffung. Da gibt es oft gar kein Abwägen mehr. Eine Photovoltaikanlage zum Beispiel ist nicht optional, sondern muss errichtet werden.
Wenn man die Wahl zwischen einer mechanischen Lüftung und einer automatisierten Fensterlüftung hat und beide die gleiche ökologische Wirkung erzielen, ist es natürlich eine Kostenfrage. Aber oft stellt sich diese Wahl gar nicht mehr in dieser Form.
Interviewer: Der Standort dieser Schule ist ja recht besonders. War von Anfang an klar, dass dort eine Schule entstehen soll? Wie sind Sie mit dem Standort umgegangen, nachdem das Krankenhaus erworben wurde?
Walther: Das war von Beginn an als Bildungsbau geplant. Das Objekt wurde vom Unternehmensbereich Schulen erworben, daher war die künftige Nutzung als Schule vorgegeben. Das war allerdings bereits vor meinem Eintritt in das Projekt so entschieden.
Interviewer: Gibt es Erkenntnisse von diesem Standort, die Sie für andere Projekte übernehmen würden, etwa bezüglich des Parkbereichs oder des Pavillon Systems?
Walther: Der Park ist nicht öffentlich zugänglich. So etwas wäre in Dänemark möglich, in Österreich scheitert das an Haftungsfragen. Wenn dort jemandem etwas passiert, stellt sich die Frage der Haftung. Daher gehört der Park zur Schule und ist nur für Personen der Schule zugänglich.
Interviewer: Bei Franz und Sue wurde uns gesagt, wir könnten ihn uns ansehen, daher war ich jetzt verwirrt.
Walther: Nein, leider nicht. Es ist kein öffentlicher Park. Man sieht zwar ein wenig hinein, und die Flächen sind teils an Vereine vermietet. Das ist jedoch so geregelt, dass diese einen externen Zugang haben und nicht über den internen Schulbereich in den Park gelangen.
Interviewer: Und wie bewerten Sie das Pavillon System, also dass Chemie und Physiksäle sowie die Turnhallen an verschiedenen Orten liegen? Hat das Vorteile?
Walther: Bisher haben wir dazu positive Rückmeldungen. Ich weiß allerdings noch nicht, wie es sich heute bei diesen Temperaturen anfühlt. Generell gilt in der Architektur: Es gibt selten ein eindeutiges Gut oder Schlecht. Die Aufgabe des Architekten ist es vor allem, eine fundierte Entscheidung zu treffen. Man entscheidet auf Basis bestimmter Grundlagen. Ja, es gibt Nachteile, aber die Vorteile überwiegen in diesem Fall. Deshalb ist ein klares Konzept so wichtig. Ich sage meinen Studenten beim Entwerfen immer: Ihr müsst ein Konzept haben. Mit einem Konzept fallen Entscheidungen leichter. Man kann begründen: Das ist das Konzept, deshalb entscheiden wir so. Es gibt kein Schwarz Weiß. Man muss gut zuhören und dann zu seiner Entscheidung stehen, auch zu den damit verbundenen Nachteilen.
Ich persönlich befürworte das Pavillon System, weil ich es gut finde, wenn die Kinder ins Freie gehen. Es wird sicher Eltern geben, die befürchten, ihre Kinder würden krank, weil sie hinausgehen müssen. Ich glaube eher, sie werden krank, wenn sie gar nicht rausgehen.
Es wird nicht für jeden passen, und es ist ein Aufsichtsthema, da man die kleineren Kinder im Auge behalten muss. Das ist eine schulorganisatorische Herausforderung. Aber grundsätzlich halte ich es für einen Gewinn, in der Stadt eine Schule mit so viel Freiraum zu haben, bei der die Kinder zwischen den Gebäuden wechseln und ihre Pausen draußen verbringen.
Wir haben versucht, niederschwellige Anbindungen und große Sauberlaufzonen zu schaffen. Es ist keine Patschenschule. Bisher ist das Feedback positiv. Besonders gelungen ist auch die Akustik. Es ist eine sehr leise Schule, was die Lehrer sehr schätzen. Bisher haben wir eigentlich nur gehört, dass es sehr gut funktioniert, abgesehen von ein paar üblichen Anfangsschwierigkeiten.
Interviewer: Welche Argumente sprachen damals für die Entscheidung, daraus einen Schulbau zu machen? Warum haben Sie sich dafür entschieden?
Walther: Man erstellt vorab immer eine kleine Studie und überprüft das Vorhaben. Man schaut sich die Pläne und die Flächen an und erstellt eine Machbarkeitsstudie: Bringe ich hier eine Schule unter? Da dieses Ergebnis positiv ausfiel, hat man sich dazu entschlossen.
Interviewer: Wie war die Zusammenarbeit mit den Architekt*innen von Franz und Sue? Ist es eher positiv, mit Bestandsgebäuden zu arbeiten? Wie sind da die Rückmeldungen?
Walther: Es war eine sehr gute Zusammenarbeit. Ich glaube, das hängt immer vom Büro ab, aber Franz und Sue arbeiten sehr pragmatisch und verfolgen diesen Nachhaltigkeitsansatz. Sie haben das Potenzial sofort erkannt. Es ist ein sehr schönes altes Gebäude. Ich denke, Architekten haben aktuell ohnehin einen starken Fokus auf den Erhalt des Bestands. Das sieht man zum Beispiel auch an der Wirtschaftsuniversität, der WU.
Es war eine durchweg positive Zusammenarbeit, auch mit der ÖBA, der örtlichen Bauaufsicht. Alle Beteiligten müssen das Konzept mittragen und genau wissen, worauf es ankommt. An diesem Projekt hat ein riesiges Team aus unzähligen Fachplanern gearbeitet.
Interviewer: Welche Erkenntnisse von der Schule Gersthof würden Sie in anderen Schulprojekten umsetzen?
Walther: Das betrifft die Akustiklösung, die automatisierte Fensterlüftung, das Konzept der Turnhallen und das Pavillon System. Die Möblierung ist schwerer übertragbar, da jede Schule beziehungsweise die Bildungsdirektion dies individuell entscheidet. Es ist oft so, dass man bei einem neuen Projekt auf die Erfahrungen zurückgreift: Dort haben wir es so gelöst, in jenem Projekt haben wir jenen Ansatz gewählt. Es ist ein stetiger Prozess aus Erfahrung, Ausprobieren und Weiterentwickeln.
Interviewer: Zur Gegenfrage: Was würden Sie anders machen?
Walther: Was würde ich anders machen? Mir ist bisher wirklich nichts eingefallen. Man kann ein Gebäude eigentlich erst beurteilen, wenn es mindestens zwei Jahre in Betrieb war. Ich habe ein gutes Verhältnis zur Direktorin und werde sie später einmal interviewen, was sie aus ihrer Sicht anders machen würde. Das muss dann aber nicht zwingend für die nächste Schule gelten. Es ist dann spezifisch für diese Schulgemeinschaft. Bisher gibt es nichts, von dem ich sagen würde, es sei nicht gut gelungen. Die Architekten von Franz und Sue haben sehr viel Erfahrung im Schulbau. Wir haben uns für alles viel Zeit genommen, auch für die Planung der Turnhalle, als der Rest schon fast feststand. Wir haben nichts überstürzt, sondern alles gründlich überlegt. Wenn man den Schulwart fragt, hört man sicher etwas anderes. Vielleicht gefällt ihm eine Oberfläche nicht, die schwer zu reinigen ist, oder bei einem Fenster zieht es. Aber im Ernst: Ich wüsste aktuell nichts, was ich grundlegend anders machen würde.
Interviewer: Sie sind also sehr zufrieden.
Walther: Ja. Ich würde euch wirklich empfehlen, es euch anzusehen.
Interviewer: Was macht aus Auftraggebersicht besonders Sinn für eine Schulumnutzung im Bestand?
Walther: Ich war schon immer ein Fan des Bestands. Wie gesagt, man sollte nicht nur darauf schauen, was nicht funktioniert, sondern das Potenzial suchen. Ein großer Vorteil des Bestands ist die bereits gewachsene Umgebung. Es gibt bereits eine Nachbarschaft und alte Bäume. Das schätze ich sehr.
Bezüglich der Gebäudetypologie: Krankenhäuser oder Kasernen eignen sich oft gut. Aber entscheidend ist die Sichtweise: Will man eine Schule klassisch unterbringen oder lässt man sich von neuen Formen inspirieren? Schaut euch die ROSE an. Das ist ein sehr wildes, spannendes Projekt. Diese Herangehensweise, Dinge völlig neu zu denken, finde ich extrem wichtig.
Interviewer: Gibt es Aspekte beim nachhaltigen Schulbau, die Ihrer Meinung nach zu wenig beachtet werden?
Walther: Ich glaube, es wird zu wenig beachtet, dass es nicht immer perfekt sein muss. Dieses Fäustling Prinzip, dass ein Gebäude Flexibilität bietet statt starr maßgeschneidert zu sein, kommt oft zu kurz. Das zahlt massiv auf die Nachhaltigkeit ein, weil das Gebäude so viel länger genutzt werden kann. Man sollte mehr Wert auf hohe Raumqualitäten legen, die verschiedene Funktionen zulassen. Wie beim Wiener Gründerzeitbau: Diese Gebäude funktionieren nach 130 Jahren noch immer für Wohnungen, Büros oder Arztpraxen. Warum? Weil die Raumqualität stimmt. Zudem werden Low Tech Konzepte oft vernachlässigt. Das Architekturbüro MAGK, Martin Eichholzer, beschäftigt sich intensiv mit Nachhaltigkeit und Low Tech. Das ist sehr sehenswert, zum Beispiel deren Projekt für die landwirtschaftliche Hochschule in Wien. Dass der Park nicht öffentlich zugänglich ist, liegt allein an der rechtlichen Haftungssituation in Österreich. Das lässt sich leider nicht ändern.
Interviewer: Auch nicht am Wochenende?
Walther: Nein, das ist ein reines Haftungsthema.
Interviewer: Ich glaube, wir haben alle Fragen. Vielen Dank für das informative Gespräch.