
Zeit → 03.04.2024
Ort → TU Wien
Vortragende: Forschungsteam HOPE
Performance von Thomas Romm

Machen wir tatenlos mit der respektlosen Ausbeutung von Ressourcen und dem Zerstören von Umwelten weiter, steuern wir auf eine unangenehme und bedrohliche Zukunft zu. Die gebaute Umwelt, und damit auch Schulgebäude und Schulwege, umfasst viele Bereiche, die uns zu Klimawandel und Artenschwund geführt haben. Um die notwendige Wende proaktiv gestalten zu können, ist es wichtig jungen Menschen Handlungsspielräume und Gestaltungserfahrungen in Entstehungsprozessen zu ermöglichen und dabei Selbstbildungsprozesse in Gang zu setzen, um mutig Veränderung anzustoßen und zuzulassen. Das Wissen sowie die Talente und Fertigkeiten von jungen Menschen müssengefördert werden, damit sie Hoffnung erfahren und das enorme Potential für Veränderung sehen und nutzen – „HOPE“, ein „Palast der Hoffnung“. Dafür bietet das Regelwerk der Commons einen hoffnungsvollen Ansatz, wie wir von Übernutzung und Verschmutzung, Ausrottung und Ausbeutung und den humanitären Folgen und Krisen zu einer neuen Form des Gemeinschaffens und in einen Weltbeziehungsmodus kommen, der eine gerechtere Verteilung und langfristige Sicherung der Qualitäten unser aller Erde darstellt.
Methode
Mit dem Forschungsteam HOPE und einer Performance von Thomas Romm kommt fruchtbarer Boden auf die Bühne des Klimatags. Die Erde stammt aus einem Wiener Stadtentwicklungsgebiet, das schon bei der Uraufführung des immersiven orts-spezifischenTheaterprojekts TOUCH GROUND (Theresa Schütz, urbanize 2023! KÖR WIEN) nicht nur als visuelle Kulisse für ein transdisziplinäres Performanceprojekt diente, sondern als Reallabor zur künstlerisch-wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Boden als Urban Commons. Wie das Regelwerk rund um Commons entsteht, demokratisch ausverhandelt, erstellt und in gemeinsamer Praxis erprobt und adaptiert wird, erlebte das Publikum bei TOUCH GROUND als aktiver Teil einer performativen urbanen Erkundung, die in transdisziplinärer Zusammenarbeit von Künstler*innen und Wissenschaftler*innen an unserer verstädterten Beziehung zur Erde arbeitete. Als Mud-Man erscheint Architekt Thomas Romm als Erden-Mensch und bringt einen Auszug aus TOUCH GROUND auf die Konferenzbühne, um sowohl menschlichen als auch nichtmenschlichen, realen wie fiktionalen Akteur*innen der Stadt eine Stimme zu geben: Das Publikum wird vor der visuellen Kulisse des Baulandsim aktuellen Stadtentwicklungsgebiet Rothneusiedl von Mud-Man konfrontiert und aktiviert: Erde aus dem Stadtentwicklungsgebiet einzustecken, um zumindest eine Handvoll in die bebaute und versiegelte Stadt zu schmuggeln. Die Performance thematisiert die Fallstricke von Haben und Besitzen, Commons und Kapital, Commons und Kommodifizierung, Commoning und Care, und Boden in seinen relativen, von Umständen abhängigen Wertzuschreibungen. Die künstlerische Verfahrensweise zur komplexen Thematik ermöglicht einen Brückenschlag zwischen Diskurs und Alltagsrealität und macht in Form eines kollektiven Erfahrungsraums eine verständlichere Deutungsebene auf, die uns auf die individuelle Lebensrealität zurückführt und unserer Beziehung zur Erde nachspüren lässt.
Ergebnisse:
Die künstlerische Forschung als gemeinsame Wissensproduktion kann in der Verbindung mit naturwissenschaftlicher Forschung und künstlerischen Verfahren, mit ästhetischen Dartstellungsformen und experimentell-spielerischen aktivierenden Vermittlungsformaten für Kinder und Jugendliche neue und inklusivere Zugänge zu Wissenschaft ermöglichen. Für solche Formate entwickeln wir „HOPE“ als „Raumlabor“, das 1:1, mobil und modular, mit und von jungen Menschen in eine utopische Bildungseinrichtung verwandelt werden kann. Mit Architekt*innen, Forscher*innen und Künstler*innen erarbeiten Schüler*innen gemeinsam mit Studierenden in diesem Urban Living Lab – auch mittels gemeinschaftsbasierter analogen und technologieunterstützter Methoden – Ideen für Klimaschutz, die sie direkt in den Alltag der Gesellschaft tragen und selbst wirksam werden.
Dabei werden Formen und Potenziale von "Urban Commoning" einem Machbarkeitstest unterzogen, direkt im urbanen Alltag erkundet und interaktiv erfahrbar – als aktive Produktion von öffentlich zugänglichem Raum und Gemeinschaftseigentum, als eigenes Feld außerhalb der Logik von Markt oder Staat. Urbane Gemeingüter sind unauflöslich verbunden mit der Praxis des Commoning: der aktiven Produktion und Reproduktion, der gemeinsamen Verhandlung, Pflege und Nutzung von Commons im Sinne des Gemeinwohls. Dabei konstituieren "Commoners" vor allem ein Regelwerk: So wie unsere kapitalistische Gesellschaftsordnung auf Gesetzen beruht, setzen auch Commons ein Set von Regeln voraus, die eine kollektive, gemeinwohlorientierte und demokratische Nutzung und Verwaltung von urbanen Ressourcen erlauben und befördern.